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Am 26.2. habe ich davon gesprochen, dass ich vor einigen Tagen in Boston im „Priesterseminar“ übernachtet habe. Ich habe das Wort so einfach benutzt, aber vielleicht fragt sich der eine oder die andere: was ist das eigentlich?

Kurz kann man sagen: ein Seminar ist ein Ausbildungshaus für Priester. Bei uns in Deutschland läuft das folgendermaßen ab: meistens ist die Ausbildung in zwei Teile gegliedert. Zunächst kommt (a) die Zeit des Theologie-Studiums. Nach dessen Abschluss beginnt (b) die Zeit der engeren Vorbereitung auf die Priesterweihe im Pastoralseminar.

(a) Während der Zeit des Studiums leben die Priesterkandidaten einer Diözese bereits in einem Seminar. Manchmal heißt das „Priesterseminar“, manchmal „Theologenkonvikt“. Egal, wie es heißt, es handelt sich immer um eine Einrichtung, die den Kandidaten studienbegleitend auf seinen besonderen Lebensweg als Priester vorbereiten soll. D.h. das Theologiestudium ist dasselbe wie bei anderen Theologiestudenten auch, im Seminar kommen dann noch zusätzliche Veranstaltungen auf den „Seminaristen“ zu.
Dabei geht es um Einführungen in das geistliche Leben (also das regelmäßige Beten), erste Vorbereitungen auf spätere Tätigkeiten (wie das Sprechen und Singen vor anderen Leuten) und darum, sich mit der Entscheidung, Priester werden zu wollen tiefer auseinanderzusetzen. Was heißt das ganz konkret? Bin ich bereit, den Lebensstil des Priesters anzunehmen, also auf Frau und Kinder zu verzichten? Bin ich bereit, mich in den Dienst der Kirche zu stellen, d.h. auch dann zur Verfügung zu stehen, wenn ich selbst mir meinen weiteren Lebensweg vielleicht etwas anders vorgestellt habe. Und so weiter.
Viele Fragen sind damit verbunden, und das Seminar ist der Ort, wo sich die Seminaristen über diese Fragen klar werden sollen und eine reife und begründete Antwort geben sollen. Denn nach katholischem Verständnis ist der Beruf des Priesters immer nur Antwort auf eine Berufung durch Gott. Und hier gilt es, ganz ehrlich zu sein: glaube ich, Gott will mich als Priester in seinen Dienst nehmen – oder folge ich vielleicht nur ganz anderen Gründen? Eine Antwort darauf braucht sehr viel Zeit.

(b) Hat man dann das Studium beendet, geht es in den nächsten Abschnitt der Ausbildung über: den praktischen Teil. Taufen und Beerdigen, Trauen und Predigen, Beichtehören und die Krankensalbung spenden – all das will gelernt sein, und eine ganze Fülle weiterer praktischer Dinge genauso. Deshalb läuft dieser Teil der Ausbildung zweigleisig: es gibt Zeiten, da sind die Kandidaten für das Priesteramt in verschiedenen Pfarreien, um dort erste pastorale Schritte zu unternehmen und dem Pfarrer über die Schulter zu schauen. Und dann gibt es wieder Zeiten, in denen sie zusammen im Seminar sind, um dort weiter zu lernen. Nach etwa einem Jahr folgt dann die Diakonweihe. Damit wird dann gewissermaßen der Lebensweg des Kandidaten besiegelt: nach mittlerweile sechs Jahren auf dem Weg zum Priesteramt stellt die Diakonweihe den ersten definitiven und unumkehrbaren Schritt dar. Im Weihesakrament stellen sie sich in den Dienst Gottes und der Kirche, sie versprechen, für die Menschen zu beten und für sie da zu sein. Hier wird dann auch das Zölibatsversprechen abgelegt. Die jungen Männer entscheiden sich, so für Gott und die Kirche da zu sein, wie das sonst Ehemänner für ihre Frau und Kinder sein sollen.
Ein Jahr lang ist man dann in der Regel Diakon. Das heißt, man darf einige Sakramente spenden und darf auch schon in der Messe predigen. Währenddessen geht die Ausbildung in Pfarrei und Seminar weiter. Sieben Jahre nach dem ersten Schritt zum Priesteramt ist dann der Tag der Priesterweihe, der dann meistens entsprechend feierlich begangen wird.

Wer jetzt meint, damit sei die Ausbildung dann endlich vorbei, hat sich geirrt. Denn vernünftigerweise werden gerade begleitend zu den ersten Berufsjahren immer wieder einzelne Ausbildungseinheiten folgen, um auch Fragen und Probleme noch behandeln zu können, die sich erst mit der wachsenden Erfahrung zeigen.

Man sieht: es ist ein langer Weg und das muss es auch sein, denn die Entscheidung kann nicht leichtfertig getroffen werden.

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