Schlagwörter

, , , , ,

Jetzt bin ich natürlich aufgeflogen! Nachdem gestern sage und schreibe 292 (!) Leute meinen Blog angesehen haben, kam es, wie es kommen musste. Ein Leser hat genau aufgepasst und schreibt mir prompt:

Aber, lieber Padre, wieso darf man Samstags mit Freunden ins Restaurant, wenn doch eigentlich Fastenzeit ist? Hat es damit zu tun, dass für Reisende das Fastengebot nicht gilt?

Das gibt uns die Gelegenheit, mal genau zu überlegen, von wann bis wann die Fastenzeit eigentlich geht.

Einfach – werden jetzt die meisten sagen: von Aschermittwoch bis Karsamstag natürlich, also die vierzig Tage vor Ostern. Und weil es genau 40 Tage sind, heißt die Fastenzeit in den romanischen Sprachen auch entsprechend: „quaresima“ auf Italienisch, „carême“ auf Französisch, „cuaresma“ auf Spanisch, und „quadragesima“ auf Latein. Die 40 kommt also schon im Namen vor. Es ist die vierzigtägige Bußzeit vor dem größten Fest des Kirchenjahres, vor dem Fest der Auferstehung Jesu. Eine Bußzeit ist es, weil die ganze Kirche in dieser Zeit versucht, sich geistlich wieder auf das Wesentliche auszurichten. Sich abzukehren von überflüssigem Kram, der zwar ganz schön sein mag, uns aber letztlich nicht glücklich macht, und uns eben wieder hinzudrehen zu Gott. Wieder neu eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

Vorbild dafür sind die vielen Umkehrereignisse, die uns in der Bibel berichtet werden und in denen oft die Vierzig eine große Rolle spielt. 40 Tage dauerte die Sintflut, bevor Gott mit den Menschen (mit Noah) einen Bund schloss. 40 Jahre zogen die Israeliten durch die Wüste, bevor sie in das Gelobte Land einziehen durften. Vierzig Tage wandert Elija durch die Wüste zum Gottesberg Horeb, wo er mit Gott sprechen darf. Vierzig Tage fastet das Volk von Ninive, nachdem Jona ihm den Zorn Gottes über seine Sünden verkündigt hat. Und vierzig Tage verbringt Jesus schließlich in der Wüste, um sich auf die Zeit seines öffentlichen Wirkens vorzubereiten. Immer sind es „Vierziger-Einheiten“, die die Menschen für eine neue Etappe des Lebens mit Gott bereit machen.

Zurück zu unserer Ausgangsfrage: von wann bis wann wird gefastet, um nur ja auf genau vierzig Tage zu kommen? Von Aschermittwoch bis Karsamstag? – Rechnen wir mal zusammen:
Aschermittwoch war dieses Jahr am 22.2., Karsamstag ist am 7.4. Das bedeutet: 8 Tage im Februar + 31 Tage im März + 7 Tage im April. Macht insgesamt 46. Hm… Das scheint dann nun doch zuviel, wir wollen uns ja schon exakt an die biblischen Vorlagen halten!

Deshalb ziehen wir die sechs Sonntage ab, die in die Fastenzeit fallen. Denn Sonntage – Fastenzeit hin oder her – sind ja immer wieder kleine Osterfeste. Schon für die ersten Christen gewesen. Am ersten Tag der Woche, also am Sonntag, versammelt sich die ganze Kirche, um die Auferstehung Jesu zu feiern – und an solchen Tagen fastet man nicht!

Und weil wir als Katholiken so gerne feiern und überdies noch aus der jüdischen Festtradition kommen, fangen wir jedes Fest bereits am Abend zuvor an, daher kommt auch unser deutsches Wort „Feierabend“.

– Was hat es nun noch mit der zitierten Reiseregelung auf sich? Ganz einfach: Menschen, die hart körperlich arbeiten mussten oder eben auf Reisen waren (denn früher war ja Reisen nicht so eine gechillte Angelegenheit wie heute, sondern mit einiger Anstrengung verbunden), hat die Kirche von jeher von den Fastengeboten ausgenommen, damit sie ihrer Arbeit nachgehen konnten und nicht unterwegs vollends entkräftet zusammenbrachen. So kommt es zu der oft zitierten und (manchmal über-)strapazierten Regel, dass Reisende nicht fasten müssten. –

Langer Rede kurzer Sinn: Von Samstagabend bis Sonntagabend setzt die Fastenzeit aus und man kann ruhigen Gewissens mit Freunden ins Restaurant gehen! So ticken wir Katholiken eben…

Advertisements