Schlagwörter

, , , ,

Das System klappt schon ganz gut: Leser fragen, der iKaplan antwortet. Im Anschluss an den post vom 2. März – wieso eigentlich beichten?!? – fragt jemand zurecht:

Eine Frage, die ich mich gar nicht getraut habe zu stellen. Dann häng ich gleich nochmal eine andere Frage an. Wie beichte ich? Also, zum einen ganz formal und was beichte ich? Vieles kommt einem sehr banal vor und über anderes traut man sich gar nicht mit seinem “Heim”-Priester zu reden?

Zunächst mal ist es wichtig, zu wissen, dass man sich wirklich überhaupt keine Sorgen machen muss, irgend etwas falsch zu machen! Und das sage ich nicht einfach nur – wir wissen als Priester alle, wie schwer sich viele mit dem Beichten tun und wie groß die Unsicherheit oft ist. Viele waren entweder noch nie oder schon seit so vielen Jahren nicht mehr beichten, dass sie einfach nicht genau wissen, wie das überhaupt nochmal geht. Und es ist dann die Aufgabe von uns Priestern zu helfen und die Menschen, die den Mut aufbringen zu kommen, „an der Hand zu nehmen“ und durch die Beichte zu führen. Ich kann also nur ganz eindringlich sagen: lasst Euch davon nicht abschrecken. Ihr seid nicht die ersten und nicht die letzten, denen es so geht – das kriegt ihr schon hin! Am Ende war noch jeder froh, den Mut aufgebracht zu haben.

Trotzdem an dieser Stelle noch einmal ein wenig zum Ablauf:
Zuerst einmal geht es darum, sich mal ein bisschen Zeit zu nehmen für eine Gewissenserforschung. Das bedeutet, sich einfach mal ganz ehrlich die Frage zu stellen: „Wenn ich mein Leben so betrachte, womit kann ich da eigentlich zufrieden sein – und womit eben nicht?“ Wo lebe ich mein Leben richtig, und wo mache ich immer wieder Fehler? Gott gegenüber, andern Menschen gegenüber, Menschen, die mir nahestehen, für die ich vielleicht Verantwortung trage, mit denen ich arbeite, mir selbst gegenüber? Wie gehe ich mit der Zeit um, die Gott mir schenkt?

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Mt 22,37-39).

So fasst Jesus zusammen, wie wir leben sollen. Aber tun wir das, wenn wir ehrlich sind? Wahrscheinlich nicht wirklich, und schon gar nicht immer… (Konkretere Hilfen zur Vorbereitung auf die Beichte findet man auch im Gesangbuch „Gotteslob“, ab Nr. 62.)

Dann gilt es zu überlegen, bei wem man beichten möchte. Die Kirche legt uns zwar nahe, einmal im Jahr zur Beichte zu gehen – aber sie sagt extra nicht: ihr müsst auf jedem Fall zu eurem Pfarrer gehen. Vielen fällt es leichter, bei jemandem zu beichten, den sie nicht kennen, und das ist auch völlig in Ordnung so. Das kann euch keiner vorschreiben. Oft bietet sich ein Kloster an, das vielleicht in meinem Heimatort ist. Oder ein bekannter Wallfahrtsort in der Nähe. Bei der Suche hilft oft auch das Internet weiter. Am besten einfach mal googeln „Beichte [meine Stadt]“.

Hat man sich dann einmal ein Herz gefasst und sich in den Beichtstuhl (oder das Beichtzimmer) getraut, werdet ihr sehen: der Rest läuft wie von selbst. Trotzdem will ich den genauen Verlauf noch einmal kurz aufschreiben, damit man weiß, was einen erwartet (ich zitiere das mehr oder weniger aus dem deutschen Pilgerheft vom Weltjugendtag 2011 in Madrid):

  1. Der Priester begrüßt dich.
  2. Nach dem Kreuzzeichen und einem einleitenden Satz bist du dran: „Vor Gott bekenne ich meine Sünden, die ich bereue…“
    Fang einfach irgendwo an, der Rest ergibt sich von alleine. Wenn du Fragen hast, frage. Wo du unsicher bist, sage es. Du bekennst deine Schuld vor Gott – der Priester hilft dir nur dabei. Und denke immer daran: was für dich nicht banal ist, das ist für Gott nicht banal. Er nimmt dich ernst!
    Am Ende kannst du sagen: „Das sind meine Sünden – ich bitte Gott um Vergebung.“
  3. Der Priester wird mit dir darauf schauen und ihr werdet gemeinsam überlegen, was dir in deiner weiteren Lebensgestaltung helfen kann.
  4. Dann folgt die Lossprechung, die der Priester spricht:

Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Der Priester handelt im Namen Jesu! Jesus ist es, der dir verzeiht. Du machst dabei das Kreuzzeichen.
5. Der Priester nennt dir noch ein Gebet, das du nach der Beichte sprichst, und er entlässt dich mit den Worten: „Deine Sünden sind dir vergeben, gehe hin in Frieden.“ Du antwortest: „Dank sei Gott dem Herrn.“
6. Bleibe noch ein wenig in der Kirche zum stillen Gebet, zum Dank.

Noch ein persönliches Wort zum Ende: ich selbst bin nie so glücklich wie nach einer guten und ehrlichen Beichte. Es fühlt sich an, als sei eine Last von meiner Schulter genommen, und ich gehe wirklich von Herzen froh und gänzlich unbeschwert in einen neuen Lebensabschnitt mit Gott an meiner Seite, von dem mich nichts und niemand trennen kann.
Wir Katholiken ticken eben so, dass wir absolut nichts dagegen haben, wenn Gott uns ab und zu mit solchem Glück erfüllt. Das Sakrament der Beichte ist ein großes Geschenk.

Advertisements