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Im Februar hieß es, Facebook hätte mittlerweile über 845 Millionen registrierte User. Davon nutzen 483 Millionen Leute Facebook täglich, um insgesamt über 2,5 Milliarden mal „Gefällt mir“ zu drücken, Statusmeldungen zu posten oder Kommentare abzugeben. Nicht vergessen: pro Tag! Das heißt, 57 % der Facebook-Gemeinde ist jeden Tag bei Facebook aktiv.

Wir sind als katholische Kirche noch immer größer als Facebook, mit 1 Milliarde Katholiken, aber der Abstand wird kleiner. Noch ist unsere Familie aber größer. Was allerdings traurig ist, ist die Statistik dieser Familie: bei uns in Deutschland sind es nur zwischen 10 und 15 % der Kirche, die sich sonntags treffen – von „täglich“ rede ich ja gar nicht! –, um gemeinsam zu beten, um sich von Gott neu stärken zu lassen und auch um sich gegenseitig im Glauben zu stärken. Denn glauben kann keiner allein!

Gucken wir ruhig nochmal auf Facebook: solange ein Großteil der angemeldeten Nutzer auch aktiv ist, macht es Spaß auf Facebook. Wenn man aber nicht mehr sicher sein kann, anderen dort noch zu „begegnen“, dann wird es langweilig. Ein bisschen ist das auch vergleichbar mit dem sonntäglichen Messbesuch. Solange ich weiß, von meinen Freunden aus der Pfarrei kommen alle zur Messe, gehe auch ich noch gerne hin – wir stärken uns gegenseitig im Glauben. Sobald das aber fehlt, wird es anstrengender – für mich und für die anderen. Es wird zu einer ständig größeren Überwindung.
Ich glaube, wir können etwas wichtiges daraus lernen: nämlich, dass jeder und jede von uns eine riesengroße Verantwortung trägt, und zwar nicht nur für den eigenen Glauben, sondern auch für den der anderen! Wir sollen füreinander da sein – das heißt auch, dass wir uns gegenseitig im Glauben helfen, indem wir ihn eben auch gemeinsam praktizieren.

Bis hierhin geht der Facebook-Vergleich. Doch die Kirche ist natürlich mehr als ein reines social network. Sie ist Familie, aber eben nicht nur von menschlichen Geschwistern. Geschwister sind wir alle, weil wir alle Kinder von unserem Vater im Himmel sind. Und „glauben“ heißt in diesem Zusammenhang unendlich viel mehr als einfach nur „ein gewisses Weltbild haben“. Es heißt, als Familie in einer echten Beziehung zu diesem Vater im Himmel zu stehen.
Wir kennen alle Freundschaften, die im Sande verlaufen sind und Familien, die sich einander entfremdet haben, weil sie aufgehört haben, ständig an ihrer Beziehung zueinander zu arbeiten. Weil sie sich keine Zeit mehr füreinander genommen haben. Und wir wissen, wie traurig das immer ist. Unsere Freundschaft, unsere Beziehung mit Gott braucht unsere Zeit – so wie jede Beziehung diese Zeit braucht, wie die Luft zum Atmen. Ohne geht es nicht.

Denn brauchen wir unsere Beziehung mit Gott, so ticken wir eben. Vorgestern haben wir über das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe geredet. Wer soll das schaffen, den nervigen Nächsten zu lieben, wenn er nicht regelmäßig von Gott selbst gestärkt wird? Wer soll Geduld mit dem anstrengenden Kollegen haben, wenn er nicht immer wieder die Geduld Gottes erfährt? Wie soll ich Liebe weitergeben, wenn ich mich nicht immer wieder von Gott zur Liebe befähigen lasse? Wie im Flugzeug: „Ziehen sie die Atemmaske zuerst über das eigene Gesicht, bevor sie ihrem Nachbarn helfen.“ Atme zuerst selbst Gottes Liebe, bevor du in der Lage bist, sie weiterzugeben.

Deshalb verpflichtet die Kirche ihre Gläubigen, sonntags zur Messe zu kommen, wenn es irgendwie geht. Wie ein Arzt, der einen unterernährten Menschen „verpflichtet“, täglich ordentlich zu essen. Es geht um uns selbst und unsere seelische Gesundheit! Wir leben von der (wenigstens sonn)täglichen Begegnung mit Gott. Ohne diese regelmäßige Begegnung wird unser Glaube langsam verdunsten, machen wir uns da nichts vor.

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