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Ich glaube, einige kennen das schon gar nicht mehr, und doch wird es noch in vielen Familien praktiziert: das sogenannte Freitagsgebot. „Freitags gibt es in katholischen Familien kein Fleisch“, hieß es und war immer ein klassisches Beispiel dafür, wie Katholiken so ticken. Aber was soll das denn nun?

Was bringt es dem lieben Gott, muss ich wirklich mal fragen, wenn ich freitags Fischstäbchen statt Chicken McNuggets esse?

Die Antwort ist natürlich einfach: gar nichts. Gott bringt es absolut rein gar nichts, wenn ich freitags zum Vegetarier mutiere. Gott bringt es auch nichts, wenn ich sonntags in die Kirche gehe. Und im übrigen auch nicht, wenn ich beichten gehe und wenn ich bete. Gott bringt das alles nichts. – Bleibt also nur eine Alternative: es muss uns etwas bringen. Aber was?

Vor einigen Tagen haben wir schon darüber gesprochen, dass an Gott glauben ja viel mehr heißt, als nur: glauben, dass es einen Gott gibt und dann weitermachen wie bisher. Wer glaubt, hält ja nicht nur einen x-beliebigen Satz – in diesem Fall „Es gibt einen Gott“ – für wahr, sondern er zieht daraus auch Konsequenzen: Glaube ist Beziehung. Wer glaubt, tritt ein in eine Beziehung mit Gott, in eine Freundschaft.

Und das tun wir dann natürlich als Menschen, und zwar als ganze Menschen, das heißt nicht nur im Kopf. Anders können wir Beziehungen gar nicht leben. Denken wir nur mal an einen jungen Mann, der sich in eine junge Frau verliebt hat. Der wird jetzt auch ständig überlegen: „Wie kann ich ihr nur meine Liebe beweisen?“ Wenn er nichts tut und nur immer drüber grübelt, dann wird sie das gar nicht mitkriegen und unser armer Kerl wird einsam alt werden. Das will er aber nicht, deshalb wird er erfinderisch (das glaubt er zumindest): er ist leider nicht reich, aber er nimmt doch seine letzten paar Kröten zusammen und kauft ihr einen Strauß Blumen. Und weil er sprachlich begabt ist, setzt er sich hin und schreibt noch ein kleines Gedicht. In ein paar Zeilen gesteht er ihr seine unsterbliche Liebe. Und weil er all das macht (vielleicht fallen ihm noch ein paar andere Sachen ein), merkt sie, wie gern er sie hat und sie gibt ihm eine Chance. So richtig viel bringen tun ihr eigentlich weder die Blumen noch das Gedicht – aber es hat sie eben doch beeindruckt, wie sehr sich der Kerl für sie ins Zeug gelegt hat. Und ihm hat es auch etwas gebracht: er hat seine Liebe kultiviert. Indem er sie ausdrückt und erfinderisch wird, hat er gar seine Zuneigung noch gesteigert. Er hat sie um die Gabe seiner Phantasie angereichert und mit echt menschlichem Geist ausgestattet. Und wenn er jetzt noch ein Bild von seiner Angebeteten unters Kopkissen legt, dann wird er selbst dann an sie erinnert, wenn er sie fast vergessen hätte.

Nichts anderes tun wir, wenn wir auf unsere kleine und manchmal erbärmliche Art nach Formen suchen, um Gott zu lieben – Gott, den wir nicht sehen und deshalb immer wieder zu vergessen drohen. Und da ist der Verzicht – das „Opfer“ – schon immer ein Versuch gewesen, Gott einen wichtigen Platz in unserem Leben zu geben: das hat schon Abel aus der Bibel gewusst (sein Bruder Kain leider nicht). Wie unser junger Verliebter auf sein Geld, so verzichten auch wir ab und an auf etwas: wir spenden zum Beispiel etwas oder wir verzichten eben freitags auf Fleisch. Unser Verliebter schreibt ein Gedicht – und auch wir versuchen nach Kräften, die richtigen Worte zum Gebet zu finden. Und wie der Verliebte geradezu rührend das Bild seiner Freundin unters Kopfkissen legt, so versuchen auch wir – manchmal nicht weniger rührend – uns ständig an Gott zu erinnern: wir hängen zum Beispiel Kreuze auf, wo wir wohnen oder arbeiten. Oder wir weisen unserm Verzicht einen festen Tag zu, damit wir zumindest wöchentlich an diese kleine Geste erinnert werden. Und welcher Tag wäre da besser geeignet als der Freitag – denn wenn wir sonntags ein kleines Ostern feiern, dann können wir auch freitags einen kleinen Karfreitag halten und daran denken, was Christus sich seine Liebe zu uns hat kosten lassen.

Kurz: was bringt uns das Fasten am Freitag? Es bringt uns, dass wir unsere Liebe zu Gott lebendig halten, dass wir wach bleiben im Glauben und nicht vor lauter Alltag den vergessen, der uns alle Tage schenkt. Der fleischlose Freitag ist Ausdruck unserer kreativen Phantasie im Ringen um eine echte und tiefe Beziehung zu Gott.

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