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Als Priester ist man manchmal so im Geschäft drin, dass man gar nicht mehr merkt, wie komisch vieles von außen betrachtet aussieht. Deshalb bin ich so dankbar für alle Fragen. Denn wir machen die Dinge ja nicht, weil wir verrückt sind, sondern weil es Gründe gibt, die man auch erklären kann. Jetzt fragt mich eine Freundin folgendes:

Heute Abend war ich bei mir in der Gemeinde in der Sonntagsmesse. Und ich habe mich wieder gefragt, was das eigentlich alles für Gebete sind, die unser Pfarrer da so leise vor sich hinspricht. Ist das eine private Sache von ihm, oder müsst ihr das alle machen?

Wir müssen. Für alles, was die offizielle Liturgie der Kirche betrifft, gibt es Bücher, die möglichst genau regeln, wie solche Gottesdienste abzulaufen haben. Damit will man sicherstellen, dass die Liturgie der Kirche auf der ganzen Welt überall dieselbe ist. Wer an einer katholischen Liturgie teilnimmt, soll überall auf der Welt am gleichen Gebet teilnehmen. Daran zeigt sich, dass es dabei nicht um eine fromme Privatveranstaltung geht, sondern dass man überall – auch im letzten Kaff irgendwo in der Pampa – am einen großen Gebet der Kirche teilnimmt. Das betrifft die Feier der hl. Messe, das betrifft die Feier der Sakramente und das betrifft das sogenannte Stundengebet (viele kennen das unter dem Namen „Brevier“ oder aus Klöstern, wo die Mönche und Nonnen es gemeinsam beten).

Zu den „Stillgebeten“ in der Messe, auf die ja die eigentliche Frage abzielt. Wir Priester sind gehalten, jeden Tag die Messe zu feiern, weil die Begegnung mit dem sakramentalen Jesus immer die Kraftquelle von allem sein soll, was wir als Kirche tun. Damit es uns aber nie zur Routine wird, dieses große Geheimnis zu feiern, schreibt uns das Messbuch neben den Gebeten, die laut verrichtet werden, noch einige kleinere Gebete vor, die wir an besonderen Momenten in der Messe beten sollen. Das sind folgende:

Vor der Verkündigung des Evangeliums:

Herr, sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, damit ich dein Evangelium würdig verkünde.

Wer das Evangelium verliest, verkündet eben nicht sich selbst und seine eigenen Worte, sondern das, was uns die Schrift über Christus bezeugt. Im immer neuen Jetzt der Liturgie werden diese Worte zu Worten, die an uns heute gerichtet sind.
Nach dem Evangelium (beim Kuss des Evangelienbuches) betet der Priester folgendes kleines Gebet:

Herr, durch dein Evangelium nimm hinweg unsere Sünden.

Was ist Sünde? Sünde ist die willentliche Entfernung von Gott, die Errichtung einer Barriere zwischen mir uns meinem Schöpfer. Das Wort der Schrift ist imstande, kleinere Barrieren niederzureißen und mich wieder neu in Beziehung zu Gott zu bringen, wenn ich mich für die Begegnung öffne.

Zur Gabenbereitung:

Herr, wir kommen zu dir mit reumütigem Herzen und demütigem Sinn. Nimm uns an und gib, dass unser Opfer dir gefalle.

Wenn wir in der Gabenbereitung Brot und Wein dem Herrn darbringen, bringen wir damit uns selbst dar, mit allem was uns ausmacht und beschäftigt. Gott soll nicht nur Brot und Wein verwandeln, sondern letztlich uns selbst, damit wir ihm immer ähnlicher werden.

Herr, wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein.

Wir waschen uns ja schon die Hände, wenn wir uns nur zu einer ganz normalen Mahlzeit an den Küchentisch zu Hause setzen. Umso wichtiger ist es, dass wir das auch tun, wenn wir uns dem Heiligesten nähern, das wir überhaupt haben. Und weil wir uns selbst gar nicht so sauber waschen können, wie das nötig wäre, bitten wir Gott, uns zu reinigen – so wie Jesus den Aposteln vor dem Abendmahl die Füße gewaschen hat.

Nach dem Friedensgruß und vor der Brechung der Hostie werden wir durch folgendes Gebet daran erinnert, was wir jetzt in die Hand nehmen:

Das Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenke uns ewiges Leben.

Nach dem „Lamm Gottes“, das die ganze Gemeinde gemeinsam betet, spricht der Priester noch leise:

Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, dem Willen des Vaters gehorsam hast du im Heiligen Geist durch deinen Tod der Welt das Leben geschenkt.
Erlöse mich durch deinen Leib und dein Blut von allen Sünden und allem Bösen; hilf mir, dass ich deine Gebote treu erfülle, und lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde.

Vor dem Empfang der Kommunion betet der Priester also um Einheit mit Christus. Anders kann er seinen Dienst nicht versehen. Priester bin ich nicht, weil ich so viele tolle Talente habe, sondern weil eben Christus selbst durch mich handeln will an seinem Volk. Das fordert den Priester jedesmal neu heraus, sich ganz an ihn auszuliefern.
Die Kommunion empfängt der Priester mit diesen Worten:

Der Leib Christi schenke mir das ewige Leben.
Das Blut Christi schenke mir das ewigen Leben.

Bei der Reinigung des Kelches und der Hostienschale folgt dann zum Schluss noch dieses Gebet:

Herr, was wir mit dem Mund empfangen, lass uns mit reinem Herzen aufnehmen, und diese zeitliche Speise werde uns zur Arznei der Unsterblichkeit.

Die Worte erinnern nochmal daran, dass wir in Brot und Wein eben viel mehr empfangen, als wir sehen. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, sagt ja der Kleine Prinz. Das „Brot der Erde“, das wir in der Gabenbereitung dargebracht haben, ist uns in der Wandlung zum „Brot des Lebens“ geworden, die zeitliche Nahrung zur Nahrung für die Ewigkeit.

Wir Menschen ticken so, dass wir uns an alles – auch an das Außergewöhnlichste – gewöhnen, sobald wir es regelmäßig tun. Die Gebete sollen uns helfen, dabei nicht stumpfsinnig zu werden, sondern mit dem Herz und dem Verstand dabei zu bleiben. Damit das Gebet der Kirche auch unser persönliches Gebet wird.

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