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Wieviel Party verträgt der Karfreitag? Welche Öffentlichkeit verträgt mein Glaube? Welche Öffentlichkeit verlangt mein Glaube? Wie stark kann ich meine Glaubensüberzeugungen demonstrieren, ohne als Pharisäer dazustehen? Die Frage ist so alt wie das Christentum selbst. Ein Leser steckt in einer Zwickmühle:

Hallo iKaplan! Ich habe von einem Freund eine Einladung erhalten zu seinem 30. Geburtstag und seinem Berufsabschluss. Die Feier soll wohl ziemlich groß werden. Allerdings soll sie am Karfreitag stattfinden. Was ist also die schlimmere Sünde: Zur Party zu gehen oder abzusagen? Und wenn ich absage, sollte ich mich dann auf den Karfreitag berufen (womit man hier in Preußen wahrscheinlich auf wenig Verständnis stößt) oder mir eine Ausrede einfallen lassen (was eine Lüge wäre und wohl auch nicht ganz astrein)?

Wer den christlichen Glauben nicht kennt oder mit ihm nichts anfangen kann, dem fällt zum Osterfest vor allem eines ein: langes Wochenende! Von Karfreitag bis Ostermontag brauchen wir nicht zu arbeiten. Vier Tage frei also, ohne Urlaubstage verpulvern zu müssen. Das bietet sich für Festlichkeiten natürlich an. Wer Freitagabend gut feiert hat ja dann drei ganze Tage, um auch den schlimmsten Kater wieder loszuwerden… Der Tag scheint also ideal für eine große Feier. Wie gehen wir als Christen aber damit um, jetzt eingeladen zu werden? Der User hat ja die Alternativen gut aufgezeigt:

a) Hingehen und so tun also ob es ein ganz normaler Freitag wäre. Die Variante scheint schwierig, ist doch der Karfreitag für uns Teil der drei wichtigsten Tage im Kirchenjahr: dem sogenannten österlichen Triduum. Von Gründonnerstag abends bis Ostersonntag vollziehen wir in Echtzeit die wichtigsten Momente von Jesu Leben nach. Vom „letzten Abendmahl“ bis zur Auferstehung am Ostermorgen. Und freitags denken wir eben besonders an den Kreuzestod. Aus Liebe zu uns Menschen geht der menschgewordene Gott in den grausamen Verbrechertod am Kreuz. Der Staat weiß um sein christliches Erbe und gibt seinen Einwohnern frei, damit sie sich ungestört auf diese Liebestat Jesu konzentrieren können. Und da scheint eine Feier so ganz ohne Hemmungen doch wenig angemessen.

b) Nicht hingehen. Die Variante wirkt auf den ersten Blick ehrlicher. Wer Jesu Tod als bedeutungsvoll für sich erkennt, wird sich mit einer Party an diesem Tag schwertun. Es erscheint logischer, nicht hinzugehen. Und da kommt für meine Begriffe das Lügen gar nicht in Frage. Hier wird nun nicht mehr um den heißen Brei geredet: Ich sage ab mit Begründung! In Ruhe kann man ja die Schwierigkeit erklären. Glauben heißt: Überzeugungen haben. Überzeugungen, die meinen Lebensstil prägen. Aber wenn die Leute nun den Kopf schütteln? Dann schütteln sie eben. „Nur Zeugen können überzeugen“, hat vor einigen Tagen Kardinal Kasper noch schön formuliert. Das nachsichtige Kopfschütteln – nach dem Motto: „der arme Irre!“ – ist vielleicht die Form des Martyriums, die wir als gläubige Christen heute am ehesten kennen. Das mag peinlich sein, aber es gibt uns die Möglichkeit, für Christus einzustehen und dafür, dass die Freundschaft mit ihm für uns eine wirkliche Freundschaft ist, eine Beziehung mit Konsequenzen.

c) Mir scheint aber, es gibt noch eine dritte Variante: nämlich hingehen und bloß Wasser trinken. Es gibt Freunde, an denen liegt uns viel, auch wenn sie unseren Glauben nicht teilen. Und die Teilnahme an ihrer Freude ist sicherlich auch ein Freundschaftsdienst, den wir ihnen schulden. Herzlichkeit und Freundschaft, auch Freude und Aufmerksamkeit sind ja am Karfreitag nicht verboten.
Es könnte also so aussehen: um 15 Uhr begehen wir im ganzen Land die sogenannte Karfreitagsliturgie, den Gottesdienst an diesem besonderen Tag. Danach ist der Tag ja noch nicht zu Ende. Wie wäre es also, dann später noch zur Feier zu gehen und (natürlich in gemäßigter Form) noch daran teilzunehmen. Das bedeutet ja keineswegs, für meinen Glauben nicht geradezustehen. Im Gegenteil: vielleicht bietet gerade diese besondere Form der Teilnahme an der Feier die Möglichkeit, für meinen Glauben ein Zeugnis abzulegen. Wer kommt, aber nichts trinkt, wird immer darauf angesprochen – das zeigt die Erfahrung. Wer jetzt eine gute Antwort parat hat, zeigt, dass er einen erwachsenen Glauben hat und ein mündiger Christ ist. Ein Christ, der eben nicht nur als Mitläufer seinen Glauben lebt, sondern bewusst und aus freien Stücken. Es ist die Chance zu erklären, weshalb wir ticken wie wir ticken! Weil wir nämlich Christus unter unsere Freunde rechnen. Weil wir Christus die gleiche Loyalität schulden wie anderen Freunden auch. Das wird vielleicht nicht jeden überzeugen, aber wir gewinnen vielleicht doch eines: Respekt für unsere Ehrlichkeit und Konsequenz. Und das ist doch zumindest ein Anfang!

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