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Von früher (als die Ökumene noch nicht so weit war) weiß ich: der Karfreitag wurde in katholischen Gegenden bewusst als Arbeitstag gehandhabt. Man ging zwar zur Kirche, um an der Karfreitagsliturgie teilzunehmen, man musste selbstverständlich auch fasten – aber ansonsten war der Tag zum Arbeiten da. Das Haus musste für Ostern hergerichtet werden, die Ostereier bemalt, der Rasen gemäht und die Fahrräder repariert und poliert werden. Das hing gar nicht mal nur mit dem nahen Osterfest zusammen. Sondern man tickte als Katholik damals einfach so: man wollte sich von Protestanten abgrenzen. Für die war nämlich der Karfreitag der wichtigste Feiertag im Jahr (wahrscheinlich weil für Martin Luther das Kreuz so sehr im Zentrum seiner Theologie stand).

Ich hab mal so ne Frage… und zwar haben wir letztens auf der Arbeit drüber gesprochen, welcher Tag denn der wichtigste für die Christen ist. Und ich hab gesagt die Auferstehung Jesu… ist das richtig? Weil eine Kollegin gesagt hat, dass der Karfreitag der wichtigste ist. Dass es nicht Weihnachten ist, war mir klar…
Kannst du Licht ins Dunkle bringen?

Man sieht, die allgemeingültige Antwort für „die Christen“ ist nicht leicht. Ich will sie also aus katholischer Perspektive beantworten (anders kann ich es ja gar nicht). Und vielleicht kann man das am besten erschließen mit dem Blick auf die Liturgie. Denn hier konzentriert sich ja immer wieder alles, was unserem Glauben wesentlich ist.

Wenn wir auf den Karfreitag schauen, stellen wir fest: die Karfreitagsliturgie (es ist keine Messe, denn es gibt keine Eucharistiefeier) fängt in Stille an. Das erste gesprochene Wort ist gleich ein Gebet – ein Kreuzzeichen zur Eröffnung gibt es nicht, genauso wenig wie einen Schlusssegen am Ende. Warum? Normal wird doch jeder Gottesdienst bei uns mit dem Kreuzzeichen eröffnet!? – Die Antwort ist interessant: für uns ist die Liturgie am Karfreitag kein „eigenständiger“ Gottesdienst, sondern diese Liturgie beginnt am Abend vorher mit der Abendmahlsmesse und endet erst mit dem Ende der Osternacht am Tag danach. Die heiligen drei Tage – das sogenannte österliche Triduum – gehören so eng zusammen, dass ein Tag ohne den anderen nicht vorstellbar ist. Sie bilden zusammen eine einzige große Liturgie – drei Tage lang ohne Unterbrechung. Denn: das letzte Abendmahl erhält seine Bedeutung erst durch das Kreuzesopfer Jesu; der Tod Jesu am Kreuz zeigt sich uns als echte Erlösung erst von Ostern her, der Ostertag strahlt umso heller vor dem Hintergrund der pechschwarzen Tage davor.

Welcher Tag ist der wichtigste? Schwer zu sagen: zusammen bilden sie den Höhepunkt des Kirchenjahrs. Und doch liegt bei uns als Katholiken ein gewisser Schwerpunkt auf dem Osterfest. Die Osternacht ist bei weitem die komplexeste Liturgie des Jahres – jeder Priester, der noch im „Anfänger“-Stadium ist, muss sich da sehr, sehr gut vorbereiten, um nicht die Orientierung zu verlieren. Und selbst „Profis“ kommen da manchmal noch in die Bredouille.

Denn es ist klar: erst von Ostern her zeigt sich uns ja der ganze Trost des Karfreitags. An Karfreitag offenbart uns Jesus den Gott, der mit uns unsere größten Schmerzen teilt, der uns in keinem Leid alleine lässt. Gott hat echtes Mit-Leid mit uns, seinen Kindern. Aber es bleibt eben nicht bei seinem Mitleid. An Ostern zeigt er sich darüber hinaus noch als der, der umgekehrt auch seine Freude mit uns teilt, die Freude des ewigen Lebens. Er nimmt teil an unseren menschlichen Kreuzen – und er lässt teilhaben an seiner himmlischen Freude.

Und weil wir als katholische Christen eine feiernde Religion sind, stand bei uns die Freude des Ostertages schon immer im Zentrum unseres Glaubens. Am Ostertag bricht eben ein bisschen der Himmel für uns auf und verspricht uns eine große Zukunft.

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