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Gestern haben wir den heiligen Josef gefeiert. Das ist für uns ein Hochfest – das heißt ein Feiertag, der so hoch ist, dass er sogar die Fastenzeit „übertrumpft“. Aber warum feiern wir die Heiligen denn eigentlich so?

Ich weiß, dass katholische Christen nicht nur zu Jesus beten, sondern auch zu den Heiligen. Ist das kein „Götzendienst“? Stellt ihr da nicht einfache Menschen, auch wenn sie noch so toll waren, auf eine Ebene mit Gott?

So oder ähnlich hat sich der ein oder andere vielleicht tatsächlich schon mal die Frage gestellt. Was hat die Heiligenverehrung für eine Bedeutung für unseren Glauben?

Es ist gut, wenn wir eine ganz wichtige Sache nie aus den Augen verlieren: als Kirche bilden wir eine Gemeinschaft. Wir sind eine Familie, das heißt keiner glaubt für sich allein. Mein persönlicher Glaube ist eingebunden in den Glauben der Kirche. Sie hat mir den Glauben vermittelt, in ihr lebe ich ihn und durch mich will sie ihren Glauben weitergeben. Eines der großen Bilder für die Kirche ist das wandernde, „pilgernde“ Gottesvolk. Wie die Israeliten im Alten Testament auf dem Weg waren ins gelobte Land, so versteht sich auch die Kirche als Volk auf dem Weg zu Gott. Als Volk, das gemeinsam auf dem Weg ist in den Himmel, wenn wir so wollen.

In diesem Gottesvolk gibt es die unterschiedlichsten Leute. Nicht alle sind gleich: die Talente sind unterschiedlich verteilt und auch die Kraft ist nicht bei allen immer gleich. Die meisten haben immer mal wieder auf diesem Weg eine Schwächephase. Deshalb hat uns Gott ja auch nicht alleine auf den Weg geschickt, sondern er hat uns uns sozusagen gegenseitig anvertraut:

Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selber leben (Röm 15,1).

Das gilt zunächst mal auf der Erde. Ich bin mir sicher, es gab zu allen Zeiten eifrigere und weniger eifrige Christen. Gläubige, die es einfacher hatten zu glauben, und solche, denen es schwerer viel. Christen, die mit großem Einsatz Jesus nachgefolgt sind, und solche, die vielleicht eher etwas zögerlicher waren. Leute, die für ihren Glauben auf alles verzichtet haben (sogar auf das Leben) und solche, die einfach noch nicht so weit waren, alles gering zu achten um Gottes willen. – Und das tolle ist: zusammen bilden sie die eine Kirche! Die Glaubensstarken tragen die Glaubensschwäche ihrer Geschwister im Glauben mit, sie ziehen sie mit, sie leben ihren Glauben nicht als Einzelparkour.

Was da für die Kirche auf der Erde gilt, geht im Himmel weiter, davon sind wir überzeugt: nur weil ein Mensch gestorben und bei Gott ist, heißt das ja nicht, das ihm alle, die ihm bisher so nahe waren, auf einmal egal wären. Im Gegenteil. Als Katholiken sind wir davon überzeugt, dass die Heiligen auf ihre Weise ganz entscheidend für uns da sind. Dass das pilgernde Gottesvolk durch ihren Tod eben nicht geschwächt wurde, sondern sogar noch weiter gestärkt. Vom Himmel aus helfen sie uns irgendwie, auf unserem Pilgerweg zu Gott besser voranzukommen. Wie wunderbar das ist!

Sie sind Vorbilder und Helfer für uns. Vorbilder, weil wir an ihnen sehen, dass es so viele Möglichkeiten gibt, heilig zu werden, wie es Menschen gibt. Weil sie unsere Phantasie anregen, unseren ganz eigenen Platz in der Kirche zu finden und weil sie uns motivieren, immer weiter wachsen zu wollen im Glauben. Sie sind im Glauben das für uns, was ein Weltstar im Fußball für einen heranwachsenden Kicker ist.

Sie sind aber auch unsere Helfer, weil wir davon überzeugt sind: Gott erlaubt ihnen, ihren Freunden auf der Erde weiterzuhelfen, wenn sie es alleine nicht mehr schaffen. Als „Schutzpatrone“ wachen sie in besonderer Weise über uns. (Der „Patronus“-Zauber in Harry Potter kommt daher und ist dafür ein wunderbares Bild – auch wenn unsere echten Schutzpatrone natürlich viel leichter anzurufen sind…) Dabei führen uns diese Heiligen natürlich nicht weg von Gott, sie sind keine Götzen, sondern sie tun das genaue Gegenteil: sie helfen uns tatkräftig, unsern eigenen Weg zu Gott zu finden. Denn so ticken sie eben, diese Heiligen…

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