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Fragen über Fragen! Weil sie so gut passt zum letzten Post, hier gleich die nächste:

Letztes Jahr war ich mit einigen Freunden am 1. Mai in Rom. Sie hatten mich mitgenommen zur Seligsprechung von Johannes Paul II. Es hat mir auch gut gefallen, es war eine krasse Atmosphäre mit so vielen Leuten in der Stadt. Aber ich war dann doch etwas verwirrt, als irgendwann jemand mit dem Blut von Johannes Paul II. da rumlief. Ich kannte Reliquien nur aus Büchern. Macht man das echt heute noch so bei euch?

Wer nicht da war oder von der Feier nichts mitgekriegt hat, kann hier nachsehen, worum es geht. Bei 1:14 sieht man es: auf dem Altar steht ein sogenanntes „Reliquiar“ mit einer Phiole voll Blut von Johannes Paul II. Ziemlich scary, möchte man sagen… Aber was soll das?

Vor einiger Zeit war ein Freund von mir für einige Zeit in Kanada. Er hatte eine Freundin in Deutschland, und den beiden graute schon vor der langen Zeit der Trennung. Fernbeziehungen sind ja nicht so leicht. Und wie Mädchen so sind, hat sie ihm ein kleines Andenken mitgegeben, das ihn an sie erinnern sollte: wenn ich mich recht erinnere, war es ein kleiner Teddybär, der praktisch ertränkt worden war in ihrem Parfüm, denn nichts regt ja Erinnerungen an wie der Geruchssinn. Wer die Situation kennt, weiß, auf wie viele Einfälle Leute kommen, die sich gern haben. Fotos, Teddies, Gebasteltes – eine Menge Sachen schleppen die Leute mit sich rum, um an ihre Lieben daheim zu denken. Oder denken wir an unsere Großeltern: viele haben noch einen kleinen „Schrein“ zu Hause mit dem Bild eines Bruders oder Vaters, der damals im Krieg gefallen ist. Menschen denken aneinander anhand von An-Denken. Erinnerungen werden über Erinnerungsstücke lebendig gehalten. Wir nehmen etwas in die Hand, sehen oder riechen, und wir wissen: da denkt jemand an dich! Und das ist ein gutes Gefühl…

Mehr muss ich dazu schon eingentlich nicht mehr sagen: Reliquie, das kommt vom lateinischen Wort relinquere und heißt „hinterlassen“. Es handelt sich um Überbleibsel von Heiligen, die wir besonders verehren. Im engeren Sinn meinen wir damit Knochen oder ähnliches. Im weiteren Sinne gelten als Reliquien auch Sachen, die der oder die Heilige mal irgendwann angefasst hat. Die nennt man dann – wenig überraschend – „Berührungsreliquien“.

Reliquien sind für uns Katholiken wichtig, denn sie bewahren uns vor einer großen Gefahr: der Gefahr, zu vergessen, dass wir es im Glauben mit der Wirklichkeit zu tun haben. Dass die Menschen, von denen wir hören und zu denen wir aufblicken, tatsächlich mal gelebt haben, in Fleisch und Blut. Das Leben Jesu und das Leben der Heiligen ist uns so wichtig, nicht weil es fromme Lehrerzählungen sind, sondern weil sie echte und echt passierte Geschichte sind. „Der Wolf und die sieben Geißlein“ ist eine Lehrerzählung: nimm dich vor Fremden an der Haustür in Acht! Das Leben der Heiligen beeindruckt uns so sehr, nicht (nur) weil wir irgendetwas davon lernen können, sondern weil wir wissen: diese echte Person, die schon auf der Erde damals so viel Gutes getan hat, die macht jetzt vom Himmel aus weiter damit! Sie bleibt unser Ansprechpartner. Und ihre Reliquien erinnern uns daran. In ihnen wird unser Glaube greifbar.

Besonders bedeutsam wird es, wenn diese Reliquien in einem Altar aufbewahrt werden. Eigentlich trägt jeder Altar in unseren Kirchen eine solche Reliquie in sich. Auf dem Altar vollzieht sich in der Messe immer wieder die große Hingabe Gottes an uns. Die Reliquie „kommentiert“ das sozusagen, indem sie sagt: wenn du diese Hingabe Gottes jetzt empfängst, denk daran, dass sie deine Hingabe als Antwort erwartet. Der Heilige, dem diese Reliquie gehört, ist ein Beispiel für dich, wie eine solche Antwort aussehen kann. Wie sieht deine aus?

Natürlich könnte man daran auch anders denken – aber wir ticken eben so, dass es uns leichter fällt, wenn wir was in der Hand haben. Verliebte wissen das!

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