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Ich muss gestehen, diesmal hat mich die Frage eines Lesers ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt:

Der Papst hat sich gerade mit Fidel Castro getroffen. Wie kann man es rechtfertigen, sich mit einem Massenmörder zu treffen, der sein Volk und auch die Kirche unterdrückt? Verleiht man ihm dadurch nicht Legitimität?

Die Antwort fällt mir nicht leicht. Es geht ja hier nicht wirklich um ein Thema des Glaubens, sondern eher der Politik, auch wenn sich beides natürlich nicht so einfach trennen lässt, wie viele das gern hätten. Glauben ist eben mehr als nur eine reine Privatsache und wenn ich von der Wahrheit meines Glaubens überzeugt bin, betrifft das eben mein ganzes Leben, auch und gerade mein öffentliches, und nicht nur den geheimen Teil zwischen mir und „meinem persönlichen“ Gott.

Wie kann der Papst sowas tun? Ich tue mich schwer damit, jetzt an dieser Stelle dem Papst vorzuschreiben, wie er sein Amt ausüben soll – ich kenne einfach nicht alle Kriterien seines Handelns. Deshalb vielleicht nur ein paar allgemeine Überlegungen, die mit dem Thema sicherlich zusammenhängen.

Zum ersten: Papst trifft Verbrecher – geht sowas? So vereinfacht ist die Frage für meine Begriffe mit einem klaren Ja zu beantworten. Das geht nicht nur, das muss er sogar tun:

Da sagten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen Jüngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken? Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten. (Lk 5,30-32)

Jesus ist Mensch geworden, um die Menschen wieder zurück zu Gott zu führen – und das betrifft natürlich die Menschen umso mehr, je weiter sie sich von Gott entfernt haben. Wenn der Papst seinem Auftrag als Stellvertreter Christi nachkommen will, dann muss er auch die Kriterien von Jesu eigenem Handeln auf seines anwenden, sonst kann das nichts werden.

Natürlich – ein solches Treffen mit Castro hat natürlich nicht den Charakter einer reinen Privatveranstaltung zwischen diesen beiden Einzelpersonen, sondern in der Gestalt von Benedikt und Castro treffen zwei „Systeme“ aufeinander: Kirche und Kommunismus in seiner verbrecherischen Gestalt. Ist die Signalwirkung nicht genau die, die der Leser befürchtet? Legitimiert man damit nicht ein solches System? Oder verharmlost man es nicht zumindest?

Das wäre für meine Begriffe der Fall, wenn es neben diesem Treffen nicht auch immer die leise, aber deutliche Botschaft des Papstes gegeben hätte: er war in Kuba, um die Christen dort zu stärken und um die Politik aufzufordern, den sehr langsam eingeschlagenen Weg einer größeren Respektierung der Freiheit und Grundrechte der Menschen weiterzugehen. Dabei hatte der Papst vor allem das Grundrecht der Religionsfreiheit vor Augen. Vielleicht noch einige kurze Zitate aus den Reden des Papstes auf seiner Reise, die in Gänze hier nachgelesen werden können.

Wahrer Fortschritt braucht eine Ethik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und seine echten Bedürfnisse berücksichtigt, besonders was seine geistige und religiöse Dimension betrifft. Daher wird es im Herzen und im Geist vieler immer mehr zur Gewißheit, daß es für die Erneuerung der Gesellschaft und der Welt rechtschaffener Menschen mit festen moralischen Überzeugungen und hohen grundlegenden Werten bedarf, die nicht unter dem Einfluß bestimmter Interessen stehen, sondern der unwandelbaren und transzendenten Natur des Menschen entsprechen.

Und an anderer Stelle:

Die Kirche lebt, um die anderen am einzigen, das sie besitzt, teilhaben zu lassen, und das ist nichts anderes als Christus selbst, die Hoffnung auf die Herrlichkeit (vgl. Kol 1,27). Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muß sie auf die notwendige Religionsfreiheit zählen können, die darin besteht, daß sie den Glauben durch Weitergabe der Botschaft der Liebe, der Versöhnung und des Friedens, die Jesus der Welt überbracht hat, auch öffentlich verkünden und feiern kann. Es ist mit Freude anzuerkennen, daß in Kuba Schritte unternommen worden sind, damit die Kirche ihre unverzichtbare Sendung, ihren Glauben öffentlich zum Ausdruck zu bringen, erfüllen kann. Es ist jedoch notwendig, in dieser Richtung weiterzugehen, und ich möchte die verantwortlichen Stellen der Nation ermutigen, das bereits Erreichte festzumachen und auf diesem Weg des echten Dienstes am Gemeinwohl der ganzen kubanischen Gesellschaft weiter voranzugehen.

Benedikt XVI. ist kein Polterer. Wer ihn erlebt hat, weiß, wie einfach – aber eindrücklich – er immer wieder versucht, jede Forderung und jede Reform von innen her und vom Blick auf das Wesentliche zu beginnen. Er fordert heraus, nicht durch kraftvolle Rethorik, sondern durch seinen beständigen Hinweis auf Grundsätzliches. So tickt er eben, das ist seine Art. Ich glaube, man darf sich von seiner leisen Art nicht täuschen lassen: dahinter verbirgt sich stets eine klare Botschaft, die den anderen respektiert, aber eben auch Respekt einfordert. „Geduldig und aufrichtig“, wie er selbst es sagt, hat er versucht, Kuba zu neuen Schritten zu bewegen, hin zu neuen Horizonten.

Die gegenwärtige Stunde erfordert dringend, daß im menschlichen, im nationalen und internationalen Zusammenleben unbewegliche Positionen und einseitige Sichtweisen aufgegeben werden, die dazu tendieren, die Verständigung zu erschweren und die Bemühung zur Zusammenarbeit wirkungslos zu machen. Die eventuellen Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten sind dadurch zu lösen, daß man unermüdlich sucht, was alle verbindet, und zwar in einem geduldigen und aufrichtigen Dialog, in gegenseitigem Verständnis und mit einem aufrichtigen Willen des Zuhörens, der Ziele annimmt, die neue Hoffnungen mit sich bringen.

Der Papst ist natürlich in diesen Dingen nicht unfehlbar, und der iKaplan ist es noch viel weniger. Was ich geschrieben habe, ist meine Meinung – das letzte Wort kann es nicht sein…

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