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Weshalb ist Ostern für uns als Christen ein so viel größeres Fest als jedes andere – selbst als Weihnachten? Ist es nicht eigentlich viel wichtiger, dass Gott überhaupt Mensch wurde, als die Art und Weise, wie er dann gestorben und auferstanden ist? Die Frage darf man ja mal stellen. – Die allerersten Christen hatten darauf eine ganz eindeutige Antwort: und zwar ein klares Nein! Nichts ist wichtiger als die Tatsache, dass da jemand von den Toten auferstanden ist. Nichts. Und so beinhalten die ersten Glaubensbekenntnisse, die wir in der Bibel finden, auch noch nichts von Weihnachten; aber Ostern ist voll dabei: zum Beispiel in der Rede des Petrus, die wir als erste Lesung am Ostersonntag hören:

Ihn [Jesus] haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tage auferweckt und hat ihn erscheinen lassen. […] Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. (Apg 10,39b-40.42b)

Oder der hl. Paulus, der an die Römer schreibt:

Denn wenn du mit deinem Mund bekennst ‚Jesus ist der Herr‘ und in deinem Herzen glaubst ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt‘, so wirst du gerettet werden. (Röm 10,9)

So fasst Paulus den ganzen Glauben zusammen: 1. In Jesus begegnen wir Gott selbst. 2. Er ist gestorben und auferstanden. Das ist das wichtigste! Alles andere ist darin enthalten. – Nicht, dass ihr mich falsch versteht: ich sage nicht, dass das Weihnachtsfest überflüssig ist – aber die Glaubenserfahrung schlechthin war für die Jünger Christi das Erlebnis seines Todes und seiner Auferstehung. Das leere Grab – mehr brauchten sie nicht. Wie es dann mit Jesu Geburt war, dass hat man erst in einem zweiten Schritt herausgefunden. Und das hat nur den Glauben bestätigt, den man seit der Auferstehung schon hatte: der Messias ist da und hat sogar den Tod besiegt! „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“ (1 Kor 15,17), fasst es Paulus an anderer Stelle mit brutaler Knappheit zusammen.

Weshalb war es denn aber so wichtig, dass er den Tod besiegt hat? Ich meine, es ist ja klar, dass das eine schöne Bestätigung dafür war, dass er wirklich etwas besonderes war – ein Wunder sozusagen, das nochmal zeigte, dass dieser Mensch wirklich Gottes Sohn war – aber ist das dann schon wirklich eine „Frohe Botschaft“ für uns? Rechtfertigt dieses Ereignis es wirklich, dass wir jetzt seit 2000 Jahren Ostern feiern? Anders gefragt: ist die Auferstehung Jesu denn das einzige, was wir an Ostern feiern? – Und auch da hilft uns wieder der Glaube der ersten Christen: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55), fragt Paulus geradezu höhnisch im ersten Korintherbrief. Er lacht dem Tod geradezu ins Gesicht, in dem Bewusstsein, in der tiefen Überzeugung: du kannst mir ja nichts mehr anhaben! Tod, du hast deinen Stachel, deinen Schrecken verloren. Warum?

Ihr seid mit Christus auferweckt. […] Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. (Kol 3,1.4)

Wir sind mit Christus auferweckt. Das leere Grab Christi ist auch unser leeres Grab, das leere Grab derer, die wir lieben.

Einer der großen deutschen Philosophen des letzten Jahrhunderts, Martin Heidegger, hat den Menschen einmal definiert als „Sein zum Tode“. Was er meinte ist, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das um seine Endlichkeit weiß. Der Mensch weiß, dass er einmal sterben wird. Er lebt deshalb auf den Tod hin, ist „Sein-zum-Tod“. Und nur wenn er sich das bewusst macht, lebt er wirklich menschlich. Nur im Angesicht des Todes erhält jede unserer Taten ihren wahren Wert. Und Heidegger hat dabei sicherlich nicht unrecht. Wenn wir uns nicht ab und zu bewusst machen, dass unser Leben ein Ende hat, dass wir nicht ewig auf der Erde leben, werden wir oberflächlich, dann werden unsere höchsten Freuden immer nur flach und schnell vergänglich sein. Wir verlieren den Blick fürs Wesentliche. Unser Leben ist kostbar, weil es nur eine gewisse Zeit währt. Unsere Verantwortung ist es, diese Zeit mit Sinn zu füllen. Den Durst unserer Zeit nach Sinn und Erfüllung zu stillen.

Und da hat Heidegger dann unrecht, da liegt er bei all seinem Scharfsinn falsch: wir sind eben als Menschen nicht Sein-zum-Tod, sondern Sein-zum-Leben. Die Wirklichkeit, auf die unser Leben zuläuft, ist eben nicht die tote Einsamkeit des Grabes, sondern die lebendige Gemeinschaft mit Gott. Darauf leben wir hin. Auf die Erfüllung all unserer Sehnsüchte durch Gott richten wir uns aus. Nach Leben sehnen wir uns und darauf leben wir hin.

Darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische. (Kol 3,1-2)

Diese Worte wollen ja nicht unser irdisches Leben schlechtreden. Sie wollen ja nicht unsere Freude auf der Erde vermiesen. Sondern im Gegenteil, sie wollen uns davor bewahren, enttäuscht zu werden. Hängt euer Herz nicht an Irdisches! Erwartet nicht von Geld, Gesundheit, Sex oder was auch immer eure letzte Erfüllung! Ihr werdet feststellen, dass euer Herz nach mehr verlangt. Dass euer Herz nach einem Leben in Fülle verlangt. Nach einem ewigen Lieben und Geliebt-werden, denn so ticken wir Menschen eben. Baut das Haus eures Lebens nicht auf Sand! Sondern baut es auf das feste Fundament unserer Hoffnung: und zwar, dass wir Teil haben am Leben des Auferstandenen, am Leben Gottes selbst. Aus dieser Hoffnung speist sich unsere Freude – und diese Freude kann uns durch nichts und niemanden genommen werden!

Der Stein, der vom Grab Jesu weggerollt war, ist der Stein, der uns an Ostern vom Herzen gefallen ist: mit dem Tod ist nicht alles aus; mein Leben steht nicht mehr unter dem irrsinnigen Druck, alles auf Erden erleben zu müssen. Ich muss nicht jeden Ort gesehen, nicht jede Speise gekostet und nicht jede Droge probiert haben.

Kurz: Glück und Erfüllung brauche ich mir nicht selbst zu machen, sondern auf sie lebe ich hin, sie wird mir geschenkt. Das ewige Leben, mit dem der Auferstandene erfüllt war, wird auch mich erfüllen; ja, erfüllt es mich schon jetzt.

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