Schlagwörter

, , , , , , , ,

Lange Gottesdienste können anstrengend werden – vor allem, wenn man mittendrin nicht weiß, was einen noch so alles erwartet. Deshalb ist es vielleicht nicht verkehrt, nochmal ganz kurz zu erzählen, wie die Osternacht so abläuft, damit wir sie besser mitfeiern können. Für mich ist es die allerschönste Messe im Jahr. 40 Tage Vorbereitung kommen hier endlich zum Ziel. Die Kerzen verbreiten leise ihre helle Botschaft, der Weihrauch verströmt seinen erhebenden Duft dazu und die Lesungen sind ein Potpourri der schönsten Texte aus der Bibel. Die Osternacht ist wirklich der Gipfel des ganzen Kirchenjahres. (Statistischer Beleg: das Messbuch benötigt 46 Seiten, um den Priester durch die Osternacht zu führen – an normalen Sonntagen reicht dafür eine…)

Wie läuft sie nun ab, diese Osternacht?

Die Feier vollzieht sich in vier Schritten:

  1. Lichtfeier (gibt’s nur in der Osternacht)
  2. Wortgottesdienst (länger als sonst)
  3. Tauffeier (kommt auch nicht jeden Sonntag vor)
  4. Eucharistiefeier (fast wie immer)

Die Lichtfeier. Die Osternacht beginnt am Osterfeuer. Die Liturgie findet uns gewissermaßen am Grab Jesu wachend vor. Es beginnt ohne Kreuzzeichen (denn die Liturgie, die wir heute beenden, haben wir am Gründonnerstag begonnen). Dann wird die Osterkerze – das Symbol für den auferstandenen Christus, der sein Licht in die Welt verströmt – vorbereitet, entzündet und in die ansonsten absolut dunkle Kirche getragen. Erst, wer das mal erlebt hat, weiß, wie hell so eine einzige Kerze eigentlich sein kann…
Dann wird das große Osterlob gesungen, das berühmte Exsultet. Wir stehen staunend vor Gottes Taten für uns:

Frohlocket, ihr Chöre der Engel.
Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach.
O unfassbare Liebe des Vaters.
O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt.
O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!

Der Wortgottesdienst. Aus der Physik wissen wir: was für uns wie weißes Licht aussieht, ist in Wahrheit nicht einfach weiß, sondern es besteht aus allen Farben des Regenbogens. Wir brauchen allerdings ein Prisma, um die Farben auch sehen zu können. Das Prisma des Osterlichtes ist der Wortgottesdienst in der Osternacht. Bis zu sieben Lesungen aus dem Alten Testament und zwei aus dem Neuen Testament brechen das Licht von Ostern für uns, das ansonsten viel zu hell wäre. Von der Schöpfungsgeschichte bis zur Auferstehung wird uns erzählt, wie treu und hingebungsvoll Gott für uns da war, da ist und da bleibt.

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (Gen 1,31)
Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein. (Ez 36,28)
Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. (Mk 16,6)
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. (Röm 6,8)

Die Tauffeier. Gott stülpt uns seine Erlösung nicht über, sondern er bietet sie an, fast wie einen Heiratsantrag. Die Taufe ist der Moment, in dem wir diesen Antrag annehmen, oder schon angenommen haben. In der Osternacht wiederholen wir das Taufversprechen, dass damals bei vielen von uns die Eltern und Paten für uns gesprochen haben. Jetzt erneuern wir unseren Bund mit Gott mit eigener Stimme, wir vertrauen uns erneut ihm an und erteilen allem eine Absage, was dieser Freundschaft im Wege steht. Diese Freundschaft leben wir in der großen Gemeinschaft der Kirche, weshalb wir zu Beginn die Kirche des Himmels in der Allerheiligenlitanei anrufen.

Die Eucharistiefeier. Der Auferstandene bleibt mit seiner Kirche auf dem Weg. Nicht nur im Wort der Bibel und nicht nur in Gedanken, sondern vor allem im Sakrament. Hier begegne ich dem, der für mich persönlich gestorben und auferstanden ist, für den ich nicht nur ein namenloses Gesicht in der Masse bin. So kommt das Osterfest bei jedem persönlich an. Auch wenn sie nicht anders aussieht als an jedem anderen Sonntag auch – die Eucharistiefeier ist das Herzstück der Osternacht.

PS: Leider ist die Tradition des Osterlachens aus der Mode geraten. Früher tickten wir Katholiken so, dass an Ostern die ganze Kirche wenigstens einmal lauthals lachen musste. Vielleicht müssen wir den Brauch zurückerbobern: wer Ostern richtig feiert, kann kein stone face bewahren!

Advertisements