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„So viele Deutsche glauben an ein Leben nach dem Tod“, hat die BILD-Zeitung letzte Woche getitelt.

Mehr als jeder dritte Deutsche glaubt an ein Leben nach dem Tod. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des INSA-Meinungstrends für BILD. 36 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, mit dem biologischen Tod sei nicht alles zu Ende. 28 Prozent waren gegenteiliger Auffassung, 22 Prozent zeigten sich überzeugt, nur in der Erinnerung und in ihren Nachkommen weiterzuleben. Bei den Katholiken ist der Glaube an das ewige Leben der Erhebung zufolge mit 49 Prozent stärker ausgeprägt als bei den Mitgliedern der evangelischen Kirche (39 Prozent). Allerdings glauben besonders viele Angehörige der evangelischen Freikirchen an ein Leben nach dem Tod (59 Prozent).

Also kein Grund überheblich zu werden, für uns Katholiken.

Ich muss gestehen, ich war ein bisschen erschrocken über diese Umfrage. Denn der Osterglaube ist ja nicht nur einfach irgendwie ein freiwilliger Zusatz zu unserem „eigentlichen Glaubensbekenntnis“, sondern er ist das Herz unseres Glaubens. „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14). So brutal und einfach sagt es der heilige Paulus, der ja genau für diesen Glauben und diese Verkündigung in den Tod gegangen ist.

Aber wie können wir denn heute noch dem Auferstandenen begegnen?
Ich glaube, die verschiedenen Osterevangelien geben uns hierzu den einen oder anderen Hinweis.

Nehmen wir zunächst mal einfach das Evangelium vom Ostermorgen: Maria Magdalena ist verzweifelt auf der Suche nach Jesus: „Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat“ (Joh 20,13). Sie sieht das leere Grab und weiß nicht, was es bedeutet. Dann sieht sie Jesus und meint, es wäre der Gärtner. Sie erkennt ihn nicht, bis Jesus sie beim Namen nennt

Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister (Joh 20,16).

Jesus spricht ihren Namen aus, und sie erkennt ihn, sie erkennt ihn wieder. Jesus kann bei ihr anknüpfen an eine Freundschaft, die schon vor seinem Tod am Kreuz Bestand hatte. Maria hatte ihren Alltag mit Jesus geteilt – und nur deshalb war sie auch in dieser Extremsituation in der Lage, ihn wiederzuerkennen. – Ich glaube, die Botschaft ist klar: um den Auferstandenen im Angesicht des Todes erkennen und glauben zu können, müssen auch wir unsere Beziehung zu ihm schon vor unserem Tod pflegen. Die Gewissheit der Auferstehung gründet auf unserem alltäglichen Umgang mit Christus im Gebet. Unsere Hoffnung im Außergewöhnlichen fußt auf unserer Treue im Gewöhnlichen. Ich will es noch härter formulieren, damit die ganze Tragweite sichtbar wird: unsere gelebte Gottesbeziehung im gewöhnlichen Hier und Jetzt unseres alltäglichen Lebens ist die einzige Basis, auf der unsere Begegnung mit dem Auferstandenen stattfinden kann. Und wer aufhört zu beten, wer aufhört mit Christus umzugehen, der wird auch früher oder später aufhören, an die Auferstehung zu glauben!

Am Ostermontag hören wir dann das wunderbare Evanglium von den Emmausjüngern. Jesus begegnet den Jüngern, die verzweifelt sind, weil sie nach dem Karfreitag die Welt nicht mehr verstehen: „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde“ (Lk 24,21). In ihrer Traurigkeit erkennen sie Jesus immer noch nicht, auch nicht, als er ihnen die Schrift erklärt. Sie kommen in der Stadt an und als er weitergehen will, „drängen“ sie den vermeintlich Fremden:

Bleib doch bei uns, denn es wird bald Abend. (Lk 24,29)

Und was ist die Antwort Jesu auf diese Bitte? „Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn“ (Lk 24,30f.). Jesus offenbart sich ihnen, indem er mit ihnen das Brot bricht, d.h. die Eucharistie feiert. Das Sakrament der Eucharistie ist es, das den unverständigen Jüngern die Augen öffnet. – Und auch hier ist wieder deutlich, was das für uns bedeutet: die Sakramente (und zwar alle, nicht nur die Kommunion) sind für uns die unabdingbare Nahrung unseres Glaubens. Die Sakramente sind nicht eine Kür für besonders eifrige Christen, sondern sie sind gewissermaßen das Schwarzbrot unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Deshalb sagt das zweite Vatikanum: „Den Glauben setzen sie nicht nur voraus, sondern durch Wort und Wirklichkeit nähren sie ihn auch, stärken ihn und zeigen ihn an; deshalb heißen sie Sakramente des Glaubens“ (SC 59). – Die Emmausjünger erkennen Jesus in dem Moment, als er das Brot bricht. „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr“ (Lk 24,31). Wenn sie ihn danach nicht mehr sahen, dann nicht, weil er dann auf einmal wieder weg war, sondern weil er auf eine andere Weise da war, nämlich im Sakrament. Und genau so ist er durch die Jahrhunderte bei seiner Kirche geblieben und bleibt auch bei uns.

Und dann das Evangelium vom Sonntag nach Ostern, das so wichtig ist. Denn im Zweifel des Thomas kommen alle Schwierigkeiten zu Wort, die die Glaubenden aller Jahrhunderte mit der Botschaft der Auferstehung hatten und haben. „Kann das denn sein? Haben die sich das nicht nur eingebildet? Ist es nicht nur ein frommes Märchen, dass Jesus auferstanden ist?“ Vielleicht müssen wir uns sogar ein bisschen von einem Vorurteil frei machen, das wir manchmal so mit uns rumtragen: dass nämlich die Menschen zu jener Zeit irgendwie dümmer waren als wir, leichtgläubiger, naiver, unaufgeklärt. Dass das mitnichten der Fall ist, zeigt uns gerade der heilige Thomas:

Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. (Joh 20,25)

Wenn wir die Aussage ein bisschen umformulieren, klingt sie uns vielleicht noch näher. Die Apostel erzählen Thomas, dass sie den Auferstandenen gesehen haben. Und er erwidert: „Das kann ich mir nicht vorstellen! Ich glaube euch ja, dass ihr mich nicht anlügt und dass ihr es ehrlich meint. – Aber vielleicht habt ihr euch einfach nur vertan! Vielleicht habt ihr ja jemanden gesehen, der einfach nur so ähnlich aussieht wie Jesus und habt euch so sehr gewünscht, dass Jesus noch lebt, dass ihr vielleicht diesen anderen einfach mit Jesus verwechselt habt. Ich für meine Person glaube das erst, wenn ich mich überzeugt habe, dass es sich um die gleiche Person handelt, indem ich seine Wunden berühre, von denen ich genau weiß, dass es sie gab.“ Der Zweifel des Thomas ist unser Zweifel, er tickt wie wir. Und gerade weil er so wenig bereit war, sich irgendwie übers Ohr hauen zu lassen, ist er für uns ein so wichtiger und verlässlicher Zeuge der Auferstehung. Eine Woche später kann Thomas nur noch glaubend und staunend sagen: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). In ihm haben wir mitgezweifelt. Vielleicht können wir auch in ihm mitglauben. Nicht, weil wir naiv sind, sondern weil wir uns auf das Zeugnis von jemandem verlassen, der genauso vernünftig war wie wir zu sein meinen. Indem Jesus ihm in seinem Zweifel begegnet, hilft er uns auch in unserem.

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