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Ostern. Auferstehung. Auferstehung Christi. Auferstehung der Toten? Ist das überhaupt alles so erstrebenswert?

Letztens hat mir eine Freundin erklärt, dass wir gar nicht unbedingt daran glauben, dass unser Körper von den Toten aufersteht. Ist das richtig? Geht es uns „nur“ um die Auferstehung der Seele? Ich habe mal gehört, dass früher im Glaubensbekenntnis von der „Auferstehung des Fleisches“ die Rede war… War das falsch?

Die Frage ist – wie so viele – nicht so ganz einfach. Denn wenn wir über ein Thema wie die Auferstehung reden, dann reden wir natürlich von etwas, das keiner von uns je erlebt hat. Deshalb müssen wir uns vor zwei Haltungen hüten, die für meine Begriffe Gift für unseren Glauben und für unsere Glaubwürdigkeit sind: entweder zu genau zu sagen, wie das alles ablaufen wird, das heißt zu konkret zu werden – oder aber das genaue Gegenteil zu tun: uns nämlich um jede genaue Aussage zu drücken und nur noch einfach ganz schwammig zu sagen, „es wird schon weitergehen“, nach dem Motto: Niemals geht man so ganz…

Die Frage ist uralt. Schon Paulus hat sie genau so formuliert, im ersten Korintherbrief:

Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? (1 Kor 15,35)

Grundsätzlich müssen wir wohl erstmal sagen: wenn wir von der Auferweckung der Toten reden, meinen wir mit Sicherheit nichts, was auch nur im entferntesten aussieht wie in „Die Mumie“ oder wie die „Auferstehung“ von Lord Voldemort in Harry Potter III! Das wäre wirklich nicht so, wie wir uns den Himmel wünschen, wenn Totes einfach wieder mit Energie aufgeladen wird und dann ganz zombiemäßig durch die Gegend wabert… Davon müssen wir uns also sicherlich verabschieden – und das tun wir gern!

Die Frage ist einfach: gehört unser Körper – unsere anfassbare Seite sozusagen – wesentlich zu uns, oder können wir auch gut darauf verzichten? Als gesunde Menschen würden wir sofort sagen: Nein, mein Körper ist mir wichtig, den will ich behalten. Aber wie ist das, wenn einer krank ist und vielleicht gelähmt oder schwer verwundet, so dass der Körper immer auch mit Schmerzen verbunden ist? Da sind wir vielleicht schon eher geneigt, die Befreiung von diesem Körper als Erlösung anzusehen… Reicht es also, wenn unsere Seele aufersteht? Wenn ich nach dem Tod einfach ein federleichtes, körperloses Bewusstsein werde?

Und da sagen wir als Christen: nein, so kann es nicht sein. Unser Körper gehört zu uns, so ticken wir eben. Leib und Seele sind nicht zwei grundverschiedene Dinge, die nur zufällig für ein paar Jahre aneinandergekettet sind. Mein Körper ist beseelter Leib, und meine Seele ist verleiblichter Geist. Beide gehören zusammen. Beides sind wertvolle Teile von uns. Beides ist ein Geschenk Gottes und hat deshalb eine unglaubliche Würde. Um noch ein anderes Bild zu gebrauchen: mein Leib ist nicht wie das Bonbonpapierchen meiner Seele, das dann einfach bei Gelegenheit überflüssig und weggeworfen wird.
Schauen wir mal, wie Paulus die Frage beantwortet:

Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird, es ist nur ein nacktes Samenkorn. (1 Kor 15,35-37)

Warum soll das nun also eine „törichte“ Frage sein? Ganz einfach: weil wir schlicht nicht sagen können, wie genau unser Leib nach der Auferstehung aussehen wird. Wie wir eben auch noch nicht sagen können, wie der genaue Kastanienbaum zum Beispiel aussehen wird, wenn wir uns die Kastanie anschauen, aus der er mal wachsen wird. Was wir aber sagen können, ist wohl, dass irgendwie (und dieses Wort ist in dem Zusammenhang unser bester Freund!) der Baum aus der Kastanie entsteht und dass ohne sie der Baum nicht wachsen würde.

Wenn wir also sagen, wir glauben an eine Auferstehung der Toten, des Leibes oder des Fleisches, dann sagen wir damit noch überhaupt nichts aus über die Beschaffenheit dieses Auferstehungsleibes – sondern einfach nur, dass es ihn irgendwie geben wird. Die berührbare Seite der Schöpfung wird nicht einfach ins Nichts zurücksinken, sondern ist auch für den Himmel bestimmt. Alles wird am Ende in die Herrlichkeit des Himmels eingehen. Professor Ratzinger redet deshalb von der

Treue Gottes zu seiner ganzen Schöpfung, die sich in Jesu heilendem Tun nicht zuletzt als Treue zum Leib, zu der von Gott geschaffenen Erde bekundet hat.
(Eschatologie – Tod und ewiges Leben)

Ganz kurz gesagt: Wenn Gott uns mit Leib und Seele geschaffen hat, dann hat er sich was dabei gedacht und nicht einen Teil davon direkt für die Mülltonne konzipiert. Beides gehört zu uns, und Gott weiß das besser als jeder andere. Wenn wir darum von der Auferstehung des Fleisches reden, wollen wir einfach nur nicht vergessen, wie groß unsere Bestimmung ist – und dass das auch durchaus unseren Leib etwas angeht!

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