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Endlich traut sich mal jemand. Die Frage ist doch weit verbreitet und kein Geheimnis:

Warum tut die Kirche immer noch so, als sei Sex etwas Schlimmes? Ist es nicht auch ein Geschenk Gottes, dass wir Sex miteinander haben können und uns so unsere Liebe zeigen können? Lieben sich Leute etwa mehr, nur weil sie heiraten?

Ich will versuchen, darauf so einfach wie möglich zu antworten. Das ist nicht so leicht, vor allem heute, wo wir als Katholiken eigentlich eine Meinung vertreten, die kein Mensch sonst mehr zu haben scheint. Der Höhepunkt in jedem Liebesfilm ist meistens nicht, dass die Leute zusammen vor den Altar treten, sondern dass sie miteinander schlafen. – Warum ist es uns als Katholiken aber so wichtig, Ehe und Sex nicht zu trennen?

Vielleicht können wir an einem Punkt anfangen, wo wir uns alle einige sind: Liebe heißt sich verschenken. Wer liebt, schenkt nicht etwas von sich, sondern schenkt einfach sich. Punkt. Jemandem 1000 Euro schenken ist noch keine Liebe. Warum? Weil ich alles andere, was nicht diese 1000 Euro sind, für mich behalte. Jemandem eine Niere spenden, ist das Liebe? Es wird schwieriger, aber die Antwort ist immer noch Nein. Eine Niere spenden kann Ausdruck von Liebe sein, aber die Liebe selbst ist es nicht. Denn auch die Niere – so wichtig sie ist – bleibt nur ein Teil von mir. Sie ist nicht ich. Niemals kann etwas schenken Liebe sein. Immer kann etwas zu schenken aber Ausdruck von Liebe sein.

Aber wie kann ich mich denn selbst verschenken? Die Menschen aller Zeiten und Völker wissen das: indem ich heirate. Denn nichts anderes passiert beim Heiraten. Wer heiratet, sagt zu seinem Mann oder zu seiner Frau: hiermit will ich mich ganz an dich verschenken, mit allem, was zu mir gehört:

Ich schenke dir alles was ich habe und alles was ich bin, mich selbst mit allem was ich habe. Ich schenke dir mein heute und mein morgen. Ich schenke dir meine Gegenwart und meine Zukunft. Alles was ich bin und habe, soll von jetzt an für dich da sein. Meine Freiheit gebrauche ich, um mich dir zu übereignen.

Als Menschen haben wir immer zwei Dimensionen: die Dimension der Freiheit, des Geistes, der Seele – und die Dimension unseres Körpers. Wir haben schon davon gesprochen, dass die beiden nicht zu trennen sind. Der Körper ist mir gegeben, um Ausdruck meiner Freiheit zu sein. Das höchste Geschenk der Freiheit ist die Ehe. Und es ist nicht schwer zu erraten: das höchste Geschenk der Liebe in der Dimension des Leibes ist der Sex. Sex wird dann ehrlich, wenn er nicht nur höchster körperlicher Ausdruck der Liebe ist – sondern eben auch höchster geistiger Ausdruck meiner Liebe, wenn er also Ausdruck des ganzen Menschen ist. Wenn wir ein Bild wollen: es ist wie mit einem Eisberg, der die Liebe darstellt. Oben schaut ein Teil aus dem Wasser, das ist der körperliche Aspekt der Liebe, der Sex. Ein großer Teil echter Liebe ist aber unter Wasser und unsichtbar. Man kann nicht beide Teile des Eisbergs trennen. Ein echter Eisberg hat immer einen Teil, der aus dem Wasser guckt – aber eben auch einen großen Teil, der unter Wasser bleibt.

Oft sprechen wir von Sex „vor“ der Ehe. Was wir damit oft meinen, ist häufig eigentlich etwas ganz anderes: nämlich Sex „außerhalb“ der Ehe – und leider allzu oft auch: Sex „ganz unabhängig“ von der Ehe. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir die Dinge dann wenigstens bei ihrem ehrlichen Namen nennen. Wie viele schlafen meist schon miteinander, wenn von Ehe überhaupt (noch) nicht die Rede ist?

Und da sagen wir als Kirche dann: das kann nicht gut sein. Wenn der Körper etwas ausdrückt, was der Mensch als ganzer gar nicht so meint, dann ist das doch im Grunde Betrug. Dann simuliere ich Liebe und das kann nicht gut sein, denn nirgendwo ist Ehrlichkeit so wichtig wie in der Liebe. Das wissen wir: nichts verletzt so sehr wie enttäuschte Liebe, so ticken wir eben.

Nochmal anders gesagt: natürlich ist unsere Sexualität ein Geschenk Gottes – sicher sogar eines der größten. Aber gerade weil sie so ein großes Geschenk ist, soll sie auch mit Ehrfurcht behandelt werden. Sie ist nicht da, um Liebe auszuprobieren, sondern um sie auszudrücken.

Erfüllung finden wir immer da, wo wir Liebe erfahren. Unsere ganze Existenz dürstet nach Liebe, und zwar nicht nur unser Körper. Wenn die Kirche so sehr auf dem Zusammenhang von Liebe und Ehe, von Liebe und Sex, und deshalb auch von Sex und Ehe beharrt, dann nicht um zu nerven (denn gerne macht sich keiner unbeliebt, indem er heute so was sagt), sondern weil sie aus voller Überzeugung und aus Liebe zu den Menschen vor einer großen Gefahr warnen will: dass wir nämlich versuchen, die Erfüllung im Sex zu suchen, die nur in der Liebe zu finden ist. Und das macht auf die Dauer nicht glücklich, kann es nicht!

Sex gehört zur Ehe, weil Sex zur Liebe gehört. Aber umgekehrt gilt eben das gleiche: die Ehe gehört auch zum Sex! Nur zusammen können sie erfüllen.

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