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Jetzt sind wir schon einmal bei heiklen Themen, da können wir auch gleich da weitermachen.

Jemand stellte mir zudem letztens die „Klassiker“ der Katholen-Fragen: Warum Zölibat?

Die Frage war nur eine von vielen, aber sie ist wichtig genug, um allein behandelt zu werden. Immer wieder wird der Zölibat – also die Ehelosigkeit der Priester – infrage gestellt. Veraltet soll das Konzept sein und nicht mehr zeitgemäß. Und oft wird dann noch hinzugefügt, dass der Zölibat ja ohnehin erst eine Erfindung des Mittelalters sein soll. Die ersten tausend Jahre der Kirchengeschichte wären Priester verheiratet gewesen, und dann im Mittelalter sei der Papst auf einmal auf die Idee gekommen, den Zölibat einzuführen, weil er die Ehe irgendwie als etwas Sündhaftes und Minderwertiges angesehen habe. So oder ähnlich wird das immer wieder gesagt. – Mit der Realität hat das natürlich nur entfernt zu tun.

Deshalb ganz kurz der geschichtliche Hintergrund: was die gegenwärtige Zölibatspraxis in der römisch-katholischen Kirche angeht, gibt es drei Entwicklungsstufen: verpflichtend eingeführt wurde die Regel, nur unverheiratete Männer zu Priestern zu weihen, erst 1563 auf dem Konzil von Trient, sehr spät also. Was galt aber vorher? Einen ersten Hinweis finden wir 1139 auf dem zweiten Laterankonzil, das nämlich entscheidet, dass Ehen, die nach der Priesterweihe geschlossen werden, ungültig sind. Wer Priester ist, kann also nicht mehr heiraten. Priesterweihe und Eheschließung vertragen sich nicht. Wie aber, wenn jemand schon vor der Priesterweihe verheiratet ist? Was dann gilt, dazu sagt uns die Synode von Elvira von 302 etwas, das sie damals bereits als ganz alte Tradition erkennt: dort wird nämlich erwähnt, dass verheiratete Männer zwar Priester werden können, dass sie aber dann nicht mehr mit ihrer Frau zusammenleben dürfen. Beides ging nicht – deshalb musste auch vor der Priesterweihe eines Ehemannes immer seine Frau befragt werden, ob sie einverstanden ist damit, ob sie bereit ist, ihren Mann „abzutreten“ an die Kirche… Es zieht sich also wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kirche, dass sich Priesterweihe und Eheschließung nicht vertragen – auch wenn es leider immer wieder Krisenzeiten gab, wo sich ein halbherziger Klerus nur halbherzig an die Gesetze der Kirche gehalten hat. Das ist leider kein Geheimnis.

Aber sind wir nun aus geschichtlichen Motiven für den Zölibat? Die Antwort ist: es ist tatsächlich die Tradition der römischen Kirche, die uns diesen Schatz bringt – und ich sage das ganz bewusst so – und die für ihn bürgt. Aber annehmen tun wird ihn aus geistlichen Gründen!

Vielleicht ist eine gewissen Zeichenhaftigkeit des priesterlichen Lebens die Perspektive, unter der wir uns dem Zölibat nähern können. Hier wird auf einmal alles konkret, was der Priester so predigt: Kann der Mensch von Gott allein leben oder nicht? Glauben wir wirklich an einen Gott, der lebendig ist und mit dem wir in Beziehung sein können, oder tun wir das nicht?

Wir glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist, um uns auf menschliche Weise zu begegnen. Für viele Menschen ist das so konkret geworden, dass sie, wie die hl. Teresa von Avila zum Beispiel, sagen konnten:

Solo Dios basta! Gott allein genügt!

Dass das stimmt, dass das nicht nur eine schwärmerische Übertreibung ist, sondern dass dieser Gott uns wirklich so erfüllen kann, dass wir zutiefst glückliche Menschen sein können, darauf weist der Zölibat des Priesters hin. Er tritt mit seinem Leben, mit seinem Lebensstil, für seine Botschaft ein. Priester versprechen den Zölibat nicht als Opfer, das sie einfach irgendwie zähneknirschend annehmen, sondern weil sie überzeugt sind: „Gott kann und will mich auf diese Weise glücklich machen!“ Die Priester sind eben keine ewigen Singles, sondern sie verheiraten sich auf diese Weise mit Gott und der Kirche. Und in dieser „Ehe“ sollen sie ganz aufgehen, so ticken sie eben. So, wie ein Ehemann für Frau und Kinder da ist, so wollen die Priester für die Kirche da sein. Ihr gilt ihre ganze Liebe und ihre erste Verpflichtung, die über alles geht. Unsere Frage lautet also eigentlich nicht: warum dürfen Priester nicht, sondern warum wollen sie nicht heiraten?

Hier ist natürlich der Knackpunkt: die Zeichenhaftigkeit des Priesters ist kein Automatismus. Nur, weil ein Priester nicht heiratet, ist er noch nicht automatisch ein glaubwürdiger Zeuge für seine Botschaft. Und vielleicht müssen sich die Priester auch immer mal wieder die Fragen stellen: „Wird diese Bedeutung des Zölibats denn überhaupt noch deutlich an mir? Lebe ich meinen Zölibat wirklich als grenzenlose Bereitschaft, für Gott und die Kirche da zu sein? Oder bin ich nicht doch einfach zu einem „ewigen Single“ geworden, bin vielleicht noch in meinem Job ein bisschen anders, aber nicht mehr in meiner Art zu leben?“ Denn das kann dann natürlich nicht sein!

Nochmal ganz kurz: der Zölibat ist in der katholischen Kirche kein Dogma, das heißt man könnte ihn theoretisch auch abschaffen, ohne die Glaubenssubstanz der Kirche anzugreifen. Aber er ist auch nicht einfach nur ein willkürlicher Erlass des Papstes, den man so einfach über Bord werfen könnte. Zweitausend ereignisreiche Jahre stehen dahinter, in denen die lateinische Kirche die Erfahrung gemacht hat, dass das der angemessene Lebensstil der Priester ist. Er sagt aus, dass der Priester Gott nicht nur mit dem Mund, sondern mit seinem ganzen Leben verkündet. Ohne Gott ist ein solches Leben absurd. Mit Gott aber wird es zu einer tief erfüllenden Sache, das kann ich ganz persönlich sagen.

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