Schlagwörter

, , , , , , ,

Nach langer Zeit endlich nochmal ein kleines Lebenszeichen.

Warum gibt es an Allerheiligen immer die Gräbersegnung? Und bringt es überhaupt was, für die Toten zu beten?

Dazu lässt sich einiges sagen. Zunächst mal gehört der Brauch der Gräbersegnung eigentlich nicht direkt zum Allerheiligenfest, sondern eher zum Fest „Allerseelen“, das wir am Tag nach Allerheiligen, also am 2. November begehen. Seit dem 9. Jahrhundert wird an diesem Tag traditionell für unsere Verstorbenen gebetet. Das ist ein schöner und, wie ich finde, wichtiger Brauch. Warum?

Nun, zunächst mal ist es natürlich Akt des menschlichen Respekts und der Liebe über der Tod hinaus, dass wir unsere Toten ordentlich bestatten und nicht einfach vergessen. Als Christen kommt dann noch hinzu, dass für uns der Leib der Verstorbenen ja „Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Kor 6,19) war – mit der Taufe ist ja Gott „eingezogen“ in das Leben dieses Menschen. Deshalb bezeichnet der Katechismus die Totenbestattung als ein sogenanntes „Werk der leiblichen Barmherzigkeit“ (KKK 2300). Wir tun dem Verstorbenen noch was Gutes über sein irdisches Leben hinaus.

Aber unsere Sorge für die Toten besteht ja nicht nur in der Sorge um ihren Leichnam. Sie geht auch über das reine Gedenken hinaus. Wir schwelgen nicht nur in Erinnerungen, sondern wir beten auch für die Verstorbenen. Was hat es nun damit auf sich?

Vielleicht hilft es da, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass wir als Christen nie alleine glauben. Wir werden in der Taufe nicht zu religiösen Solokünstlern, sondern wir werden eingegliedert in das Volk Gottes, das gemeinsam auf dem Weg zur Vollendung ist. Wir gehen unseren Weg auf der Erde und in Richtung Himmel nicht für uns allein, sondern miteinander. „Einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2), sagt der Apostel Paulus so schön. Wie in einer großen Familie sind wir einander anvertraut und sollen uns gegenseitig helfen. „In den Himmel kommt man nur, wenn man noch jemanden mitbringt“, hat mal jemand gesagt. (Wir haben auch im Zusammenhang mit den Heiligen schon mal darüber gesprochen.)

Die Familie der Kirche sind nun nicht nur wir, die wir heute auf der Erde leben, sondern dazu gehören eben auch diejenigen, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Von einigen sagen wir, dass sie schon ganz sicher im Himmel bei Gott sind – die Heiligen eben – und bei den anderen können wir es eben nur hoffen. Deshalb ist es so bedeutsam, dass wir den Allerheiligen- und den Allerseelentag so eng beieinander feiern. Am 1. November bitten wir die Heiligen, uns auf unserem Weg zu Gott zu helfen: wir bitten um Hilfe. – Am 2. November bitten wir Gott, auf den guten Willen unserer Verstorbenen zu schauen und ihnen in ihrer Schwäche auf dem Weg zu ihm zu helfen: wir leisten also Hilfe, soweit wir das eben können.

Beide Tage zusammen unterstreichen die Gemeinschaft und Solidarität der Kirche, die über den Tod hinausgeht. Die „Hilfsmaßnahmen“ der Gläubigen füreinander gehen deshalb immer in beide „Richtungen“. So ticken wir eben. Wer glaubt, lebt nie allein und stirbt nie allein. In Leben und Tod sind wir aufgefangen in einer Gemeinschaft. Wir lassen einander nicht hängen.

Advertisements