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Vielleicht eignet sich der Monat November – der sogenannte „Totenmonat“ besonders für ein paar Überlegungen zu dem, was nach dem Tod kommt.

Vielleicht könntest Du mal was über Himmel, Hölle und Fegefeuer schreiben… Ich glaube zwar daran, aber so richtig vorstellen kann ich mir das alles eigentlich nicht. Außerdem: ewig irgendwo zu leben, davon weiß ich gar nicht, ob ich das will.

Ich glaube, es ist wichtig, zuallererst mal festzuhalten, dass wir uns das alles tatsächlich gar nicht vorstellen können. Was wir mit Himmel und Hölle bezeichnen, überschreitet schlicht unsere Vorstellungskraft. Und immer, wenn wir davon reden, sollten wir gut aufpassen, nicht allzu leichtfertig allzu konkrete Details zu nennen. Das kann sonst ganz schnell ganz peinlich werden.

Das heißt natürlich nicht, dass wir ganz von unserem Glauben schweigen sollten, gerade was die wichtige Frage des Menschen nach dem Tod und allem, was danach kommt, angeht. Das wäre ja das andere Extrem, und das wollen wir auch vermeiden.

Mir selbst hat damals sehr die zweite „Enzyklika“ – ein Hirtenbrief – von Papst Benedikt XVI. geholfen, einen neuen Zugang zum Himmel zu finden. Spe salvi hieß sie und befasste sich mit dem Thema der christlichen Hoffnung. Was hoffen wir eigentlich als Christen?

Die Antwort ist eigentlich verblüffend einfach: wir hoffen als Christen nichts anderes als andere Menschen auch. Nicht bloß als Christen, sondern als Menschen erhoffen wir uns, was man als Leben in Fülle bezeichnen könnte. Jeder von uns, egal ob gläubig oder nicht, hofft, glücklich zu werden. Wir hoffen, dass unser Leben mehr ist als ein bloßes Zutreiben auf den unvermeidlichen Moment unseres Todes. Wir wünschen uns unendliches und ungetrübtes Glücklichsein. Oder, in der Sprache des Glaubens ausgedrückt: ewiges Leben.

Was ist das eigentlich „Leben“? Und was bedeutet das eigentlich „Ewigkeit“? Es gibt Augenblicke, in denen wir plötzlich spüren: Ja, das wäre es eigentlich – das wahre „Leben“ – so müsste es sein. Daneben ist das, was wir alltäglich „Leben“ nennen, gar nicht wirklich Leben. Augustinus hat in seinem an Proba, eine reiche römische Witwe und Mutter dreier Konsuln, gerichteten großen Brief über das Gebet einmal gesagt: Eigentlich wollen wir doch nur eines – „das glückliche Leben“, das Leben, das einfach Leben, einfach „Glück“ ist. Um gar nichts anderes beten wir im Letzten. Zu nichts anderem sind wir unterwegs – nur um das eine geht es. Aber Augustin sagt dann auch: Genau besehen wissen wir gar nicht, wonach wir uns eigentlich sehnen, was wir eigentlich möchten. Wir kennen es gar nicht; selbst solche Augenblicke, in denen wir es zu berühren meinen, erreichen es nicht wirklich. (Spe salvi 11)

Mit anderen Worten: wir sehnen uns zwar nach unendlichem Glück – aber wir erleben es in unserem Leben doch nie so ganz. Selbst wenn ich an meinen glücklichsten Moment denke, an den Moment in meinem Leben, zu dem ich wie Goethes Faust sagen wollte: „Verweile doch, du bist so schön!“ – selbst dieser Moment war zwar wunderbar, aber er war eben immer noch endlich. Allzu schnell war er wieder vorbei, und es zeigte sich, dass er zwar intensiv war, aber weiß Gott nicht unendlich… Unsere Zeitlichkeit setzt eben auch dem größten Glück auf der Erde immer wieder eine Grenze.

Wir können nur versuchen, aus der Zeitlichkeit, in der wir gefangen sind, herauszudenken und zu ahnen, dass Ewigkeit nicht eine immer weitergehende Abfolge von Kalendertagen ist, sondern etwas wie der erfüllte Augenblick, in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen. Es wäre der Augenblick des Eintauchens in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt. Wir können nur versuchen zu denken, dass dieser Augenblick das Leben im vollen Sinn ist, immer neues Eintauchen in die Weite des Seins, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden. (Spe salvi 12)

Damit taucht ein neues und entscheidendes Wort auf in unseren Überlegungen, nämlich die Liebe. Wir sind als Menschen gar nicht in der Lage, alleine glücklich zu werden. Einsamkeit ist ja gerade das Gegenteil von Glück. Sogar die schwersten Schicksalsschläge können wir ertragen, wenn wir uns nur geliebt und geborgen wissen. Und selbst der reichste Mensch kann verzweifeln, wenn er einsam ist. Deshalb ist das „Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe“ ein so großartiger Ausdruck! Die Unendlichkeit, nach der wir uns sehnen, die kann uns nur der Unendliche geben. Wenn es Gott nicht gibt, dann läuft unser Leben schlicht und einfach auf eine einzige große Enttäuschung zu. Wir wünschen uns unendliches Glück – und genau das kann es dann nicht geben; dann sind wir wie Hamster in einem Laufrad: egal, wie schnell wir rennen, kommen wir doch nie ans Ziel!

Was ist also der Himmel? Wir könnten sagen: so bezeichnen wir unsere große Hoffnung darauf, dass unsere tiefste Sehnsucht tatsächlich erfüllbar ist und nicht nur ein Irrlicht, das uns etwas vorgaukelt, was es gar nicht gibt. Als Christen unterscheiden wir uns von anderen nicht darin, dass wir anderes ersehnen. Wir unterscheiden uns nur darin, dass wir glauben, dass diese Sehnsucht sich auch erfüllen kann – so ticken wir eben.

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