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„Die Kirche hat jahrhundertelang nichts Besseres zu tun gehabt, als die Hölle zu predigen. Jetzt sind sie endlich davon abgekommen und predigen wieder den Himmel.“ So oder ähnlich denkt man oft über den Verkündigungsdienst der Kirche. „Im Mittelalter hat man den Leuten immer von der Hölle erzählt. Das sieht man ja schon an der Kunst aus jener Zeit.“

Tatsächlich kann es sein, dass wir uns zeitweilig ein bisschen zu stark auf die Hölle konzentriert haben und dass viele Leute für lange Zeit nur in den Himmel wollten, um der schrecklichen Hölle zu entgehen. Mit anderen Worten: eigentlich gar nicht so sehr in den Himmel wollten, als vielmehr bloß nicht in der Hölle zu landen. Wenn das tatsächlich so war, dann war es zumindest nicht gut so.

Aber ein bisschen vereinfacht diese Sichtweise doch den wahren Sachverhalt. So sind wir heute vielfach ins andere Extrem umgeschlagen: nämlich nur noch vom lieben Gott zu reden, der so etwas wie eine Hölle ja gar nicht zulassen könnte. Das ist dann allerdings nicht mehr katholisch, nicht mehr christlich. Denn die Hölle gehört zum Himmel wie das Nein zu echter Freiheit.

Stell dir vor, jemand macht dir einen Heiratsantrag und du musst, aus welchen Gründen auch immer, ja sagen. Stell dir vor, du hättest gar keine Möglichkeit, auch nein zu sagen. Der Heiratsantrag wäre doch wie ein Hohn, als würde sich der „Antragsteller“ noch über dich lustig machen. Denn das Persönlichste, dass du überhaupt geben kannst, ist ja doch deine Liebe, und die würde man in dieser Weise versuchen zu erzwingen. Erzwungene Liebe aber ist gar keine Liebe, sondern Vergewaltigung. – Unser Gott, soviel steht fest, ist kein Vergewaltiger! Er ist die Liebe und lädt zur Liebe ein – respektiert aber unsere Antwort. Er respektiert sie sogar so sehr, dass er daran leidet, wenn wir nein sagen. Das sehen wir, wenn wir das Kreuz betrachten. So betrachtet, ist die Hölle nichts anderes als der wahnsinnige Respekt Gottes vor der Freiheit seiner Geschöpfe.

Das ist die Sichtweise, die wir brauchen, um uns dem schrecklichen Thema der Hölle zu nähern. Der Himmel ist unendliche Liebesgemeinschaft, eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe, haben wir das letzte Mal gesagt. Die Hölle ist dann nichts weiter als die reale Möglichkeit unseres Neinsagens. Das meint der Katechismus, wenn er sagt:

Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen; nur eine freiwillige Abkehr von Gott, in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu (KKK 1037).

Was heißt das genau? Das heißt, wer sich abkehrt von Gott und damit vom Leben selbst, der wird nicht nochmal eigens mit irgendwelchen Qualen bestraft, sondern die Abkehr selbst ist das, was die Hölle so schlimm macht. Wie ein Fisch, der absichtlich aus dem Wasser raushüpft, an Land feststellt, dass es im Wasser eigentlich besser war, aber dann zu stolz ist, seinen Fehler zuzugeben und wieder zurück ins Wasser zurück zu hüpfen. Das Beispiel ist ein bisschen konstruiert, ich weiß, weil ein Fisch diese Freiheit nicht hat – wir Menschen aber haben sie, so ticken wir eben.

Ob wirklich jemand im Moment des Todes der absoluten Liebe ins Gesicht sehen und immer noch nein sagen kann, wissen wir nicht. Aber unsere Freiheit ermöglicht diese Entscheidung. Jesus warnt immer wieder davor, uns endgültig von ihm zu trennen, indem wir uns der Not seiner Brüder und Schwestern verschließen. (Youcat 161)

Wir haben oft Schwierigkeiten, die Hölle zu akzeptieren, weil wir diesen Begriff ganz stark in Verbindung bringen mit einer Unzahl von Bildern. Ein paar davon zeigt auch die Wikipediaseite zum Thema. Es ist auffällig, wie viele Darstellungen der Hölle es gibt und wie selten der Himmel dagegen gemalt wurde. Das Böse darzustellen, hat den Menschen offensichtlich schon immer mehr fasziniert als das einfach nur Gute. Und zwar bis heute: denken wir nur an die vielen Horrorfilme, die mit teilweise perverser Phantasie immer neue und schlimmere Qualen für den Menschen ausdenken. Wichtig ist, dass wir diese Bilder trennen vom tieferen Gehalt der Botschaft von der Hölle. Dass wir nicht die Realität der Hölle ablehnen, weil wir mit ihren bildlichen Darstellungen nichts mehr anfangen können.

Wir predigen nicht die Hölle, sondern den Himmel. Den Himmel aber kennen wir nur als Ort der unendlichen Liebe, und dafür braucht es Freiheit. Die Freiheit, auch nein dazu zu sagen, die Freiheit zur Hölle, die letztlich weder Gott noch wir selber uns wünschen.

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